Postpunk - Revival

Esben And The Witch

Esben And The Witch – Wer nach Vorbildern für zeitgenössische Bands aus dem gemütsverschatteten Rockspektrum sucht, liest mit schöner Regelmäßigkeit Namen wie Joy Division oder The Cure. Eher selten fällt dagegen der von Siouxsie & The Banshees. Das ist insofern verwunderlich, als bei etlichen Frauenstimmen aus dem Postpunk-Revival der letzten anderthalb Jahrzehnte der frostige Gesang der New-Wave-Eiskönigin offensichtlich und unüberhörbar bis heute nachhallt. Beispielsweise auch bei Rachel Davies, der Sängerin der aus Brighton stammenden Band Esben And The Witch. Benannt nach einem blutrünstigen dänischen Märchen, irrlichterte das Trio auf dem tollen Debütalbum „Violet Cries“ (2011) durch schaurig-schöne Shoegaze-Waschküchen und delikat delirierende Dreampop-Nebelbänke, in denen Davies’ hypnotisches Organ melodische Orientierungspunkte setzte. Auf den drei folgenden Platten wurde die Musik von Esben And The Witch sowohl härter als auch diffuser: Einerseits schliff man die vielspurig getürmten Gitarren metallisch an und forcierte auch das Tempo mal etwas, andererseits erweiterte man das konventionelle Songformat hin zu über zehnminütigen Lärmungetümen, auf denen Rachel Davies’ Sirenengesang nur noch eine unter etlichen Klangfarben dar stellt. Das hätte es bei Siouxsie nicht gegeben.

Kommentiere diesen beitrag