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Der Mensch zwischen Freiheit und Schicksal

Der Mensch zwischen Freiheit und Schicksal
Martin Mahmud Kellner und Alan Mittleman | Fotos: Institut für islamische Theologie, Universität Osnabrück/Jewish Theological Seminary

Die Annahme, Gott sei allmächtig und allwissend, steht in einem Spannungsverhältnis zur Auffassung von der Willensfreiheit des Menschen. Es geht dabei um nicht weniger als die Verantwortung des Menschen für sein eigenes Handeln – eine Frage, die jüdische und islamische Gelehrte seit jeher beschäftigt. Einen Versuch, dieses Dilemma aufzulösen, stellt die Lehre von der göttlichen Vorsehung bzw. die Prädestinationslehre dar.

Die Fähigkeit des Menschen zur bewussten Entscheidung wird auch durch neue Erkenntnisse der Psychologie, der Hirn- und Genforschung immer stärker in Frage gestellt. Sie sehen den Menschen als von biochemischen Prozessen und seiner genetischen Disposition her bestimmt. Ist unsere Willensfreiheit wirklich nur eine Illusion? Worin unterscheidet sich ein solcher Determinismus von der Prädestinationslehre und wie frei kann der Mensch sein? Es diskutieren Alan Mittleman und Martin Mahmud Kellner.

Moderation: Asher Mattern (Eberhard Karls Universität Tübingen). Alan Mittleman ist Professor für Jüdische Philosophie am Jewish Theological Seminary of America. Er ist Autor u. a. von Human Nature & Jewish Thought. Judaism’s Case for Why Persons Matter, in dem er sich mit der jüdischen philosophischen Antwort auf die wissenschaftliche Weltsicht beschäftigt. Sein letztes Buch Does Judaism Condone Violence? hat den National Jewish Book Award für das Jahr 2018 gewonnen.  Martin Mahmud Kellner vertritt die Professur für Islamische Quellenlehre am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück. Er ist zudem Gründer der Bildungsinitiative »Madrasah – Verein für islamische Bildung und interkulturellen Dialog«. Über die Ringvorlesung Wissenschaftliche Entdeckungen auf dem Gebiet der Astronomie, Geologie und Biologie haben in den letzten Jahrhunderten das Selbstverständnis des Menschen als Mittelpunkt und »Krönung der Schöpfung« in Frage gestellt. Heute stehen sich religions- und wissenschaftsfeindliche Positionen oft unversöhnlich gegenüber. Während die einen Religionen als mit einer modernen Weltsicht unvereinbar darstellen, fordern andere, dass Kreationismus an den Schulen als gleichberechtigte Alternative zur Evolutionstheorie unterrichtet wird. Das gegenwärtig zwiespältige Verhältnis von Religion und Wissenschaft war in der Vergangenheit über lange Zeit keinesfalls dominierend. Zahlreiche Theolog*innen waren zugleich Naturwissenschaftler*innen und lieferten bedeutende Beiträge zu unserem Verständnis der Welt und des Menschen. Das Ziel dieser Vorlesungsreihe ist es daher, das spannungsreiche Verhältnis von Judentum und Islam zu den Wissenschaften auszuloten. Der oben genannten Konflikterzählung sollen andere Narrative zur Seite gestellt werden. Dazu widmet sich die Vortragsreihe Themen wie der Schöpfungslehre und Evolution, dem Glauben an Wunder, dem biologischen Determinismus und freien Willen, der historisch-kritischen Erforschung der Heiligen Schriften und dem Umgang jüdischer und muslimischer Religionspädagog*innen mit Wissenschaften. Auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung.

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