Literatur

Schön hausen

Schön hausen
2017 Volksbühne Berlin | general_use

Peter Braschs fantastischer Berlin-Roman erscheint nach 20 Jahren neu, versehen mit einem Nachwort seiner Schwester Marion. Die feiert heute die Premiere der Wiederveröffentlichung mit ihrer Tochter Lena und Schauspieler Alexander Scheer, aber natürlich leider ohne den 2001 verstorbenen Autor. Im Roman landet der italienische Glöckner und Totengräber Gianluca unverhofft am Alexanderplatz und trifft auf Brasch, der mit ihm die Rollen tauscht. Eintritt unbekannt, ggf. Restkarten an der Abendkasse.

Gianluca ist Totengräber und Glöckner in einem italienischen Dörfchen. Eines Tages findet er sich in Berlin auf dem Alexanderplatz wieder, begleitet von einem verschwatzten und zu Alkoholexzessen neigenden Vogel. Von seinem Parkbankdomizil aus durchstreift er die Stadt, trifft auf vietnamesische Zigarrettenhändler, Hausfrauen, Kunstfotografen, Polizisten – und immer wieder auf diesen Mann namens Brasch, der dankbar Gianlucas Angebot annimmt, mit ihm die Rolle zu tauschen. Peter Brasch prägt in diesem Schelmenroman der Nachwendezeit einen ganz eigenen Magischen Realismus Berliner Art. Orte und Zeiten zerfließen, Körper und Identitäten werden austauschbar. Der Autor Peter Brasch trifft auf seine eigene Figur. Dem Fall der Berliner Mauer folgt die Einebnung aller Grenzen. Dem autobiografisch inspirierten Protagonisten zerrinnt die Welt zwischen Sehnsucht und Verzweiflung, Heimat und Ferne, Vergangenheit und Zukunft. Ein Leben im Hier und Jetzt erscheint dem Bewohner des Prenzlauer Bergs immer schwieriger. Doch was ist der Mensch ohne die Macht der Fantasie? So bleibt es dem Protagonisten unbenommen, sich vorzustellen, auf der berühmten Allee im Prenzlauer Berg schön zu „hausen und mit einer freundlichen Frau verheiratet zu sein, ein Haus mit zwei Ausgängen: nach Ost und nach West, morgens die Sonne aufgehen sehen und abends unter, darunter die Züge zu hören, damit das Fernweh einschläft.“ Mit einem Nachwort von Marion Brasch. Peter Brasch wurde 1955 in Cottbus geboren, legte 1974 in Berlin das Abitur ab, nahm ein Germanistikstudium in Leipzig auf und wurde wegen Protests gegen die Biermann-Ausbürgerung exmatrikuliert. Er war als Dramaturg beim Rundfunk, als Regisseur und Übersetzer tätig, schrieb Kinderhörspiele und Stücke; 1999 erschien mit Schön hausen sein erster und einziger Roman. Im Juni 2001 wurde Peter Brasch tot in seiner Wohnung in Berlin-Prenzlauer Berg aufgefunden. Er ist der Bruder des Schriftstellers Thomas Brasch, des Schauspielers Klaus Brasch und der Rundfunkjournalistin und Autorin Marion Brasch, die für die Neuausgabe dieses Romans ein Nachwort geschrieben hat.

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