Musik/Konzert

Vergessene Arbeitskämpfe – Ein Punk-Abend mit The Incredible Herrengedeck & Killer Jiller

Die Reihe gedenkt vergessener Arbeiteraufstände und verbindet dies mit Punkkonzerten. Auf der Bühne stehen Killer Jiller, die mit ihrem ersten Demo „Geld macht arm“ (2013) an Renommee gewannen, das sie schließlich als Vorband von GBH sogar bis nach London führte. Weniger Hardcore-Riffs, dafür mehr Chanson- und Kabarett-Elemente zeichnen die Berliner The Incredible Herrengedeck aus, die als zweite Band auftreten.

Einlass 21:00, Beginn 22:00

Der Punk muss zurück an die Volksbühne und Kämpfe von Arbeiterinnen und Arbeitern müssen zurück an ein Arbeitertheater. In den letzten Jahren sind zahlreiche Orte in Berlins Mitte verschwunden, an denen Punkbands auftreten können. Wir wollen mit unserer Konzertreihe dem etwas entgegenstellen und Neues etablieren. Wir sind fünf Bühnenarbeiter der Volksbühne, unterstützt von vielen weiteren Kolleginnen und Kollegen des Hauses. Ab Februar wird im Roten Salon alle zwei Monate ein Punkkonzert (2 Bands, 1 DJ) von uns veranstaltet.

Das Besondere: Im Zuge jedes Konzertes wird einem Arbeitskampf gedacht. Die Kämpfe liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Viele Arbeitskämpfe sind in Vergessenheit geraten. Wir wollen an die Geschichten, die Wut und den Mut der Kolleginnen und Kollegen erinnern. Vor allem wollen wir die Geschichten überhaupt erst mal erzählen. Wir konnten dafür die Schriftstellerin Anna Tüne für uns gewinnen. Sie berät uns und arbeitet die Texte zu den von uns gewählten Arbeitskämpfen aus.

Bands: The Incredible Herrengedeck & Killer Jiller

Arbeitskampf: Der große britische Bergarbeiterstreik

Kontakt: arbeitskaempfe@volksbuehne-berlin.de

Verantwortliche: Mattias Kåks, Leander Hagen, Paul Flagmeier, Jan Krüger, Frank Meißner

Redaktion/Texte Arbeitskämpfe: Anna Tüne

Dramaturgie: Sabine Zielke

The Incredible Herrengedeck

Drei Typen, drei Akkorde, Konfetti und die Kraft der Imagination. The Incredible Herrengedeck machen noch aus der kleinsten Bühne ein Stadion-Konzert. Also Musikkabarett im Stadion. Oder Stadion-Konzert im Kabarett. Oder wie sie selber sagen: „Chanson Punk – Live in deinem Eckstadion“.

Seit 2006 mischen die Jungs regelmäßig die Berliner Bühnen auf, touren durch Deutschland, die Schweiz und bis nach Kasachstan. Fehlende Details wie Lichtshow, Lautsprecherwände und Pyrotechnik denkt sich das Publikum einfach dazu.

Im Gegenzug würfeln die drei Berliner mit Klavier, Kontrabass und Gitarre die Genres der letzten 100 Jahre Popgeschichte zu einem ordentlichen Stück Musik zusammen – das Fundament für ihre politisch-satirischen Texte und für jede Menge gute Laune.

Mehr Infos findest du hier: http://herrengedeck.org/

[logo herr 500]

Killer Jiller

2012 aus den beiden Berliner Punk Bands Fetzen und Aule! hervorgegangen, laden Killer Jiller nun seit knapp sieben Jahren zum Mithassen ein. Der selbstbezeichnete „misanthropische Kinderchor mit Schlagercharakter“ ist im Hardcore-Punk zuhause und beschreibt eine klare politische Linie.

Ihre 2013 erschienene Demo „Geld Macht Arm“ wurde 2014 vom Plastic Bomb als „eins der besten Demos der vergangenen Jahre“ beschrieben und brachte die Band bis nach London als Vorband von G.B.H.

Nach einer zweijährigen Pause stehen sie nun erstmals wieder offiziell auf der Bühne.

Reinhören: https://killerjiller.bandcamp.com/

[logo killjill 500]

Der große britische Bergarbeiterstreik

Zwischen dem 5. März 1984 und dem 4. März 1985 kam es in Großbritannien zum Show-down zwischen der konservativen Regierung Thatcher und der immer noch sehr mächtigen und kämpferischen Gewerkschaft der Bergleute (National Union of Miners, NUM). Auslöser des Streiks: zwanzig Kohlegruben sollten geschlossen und damit 20.000 Arbeiter entlassen werden. Die restlichen profitabel erscheinenden Gruben sollten privatisiert werden. Gleich zu Beginn kam es an mehreren Orten zu sehr harten Auseinandersetzungen mit zwei Toten, 1000 Verletzten und 4000 vorübergehenden Festnahmen.

Die Regierung beschloss und gestaltete ihren Kampf in einer von Beginn an unbarmherzigen Aggressivität. Premierministerin Thatcher verstieg sich so weit in demagogischem Furor, die Streikenden zum „enemy within“, zum inneren Feind zu erklären. Unter diesem Motto wurde auch die polizeiliche Repression mit bürgerkriegsähnlichen Mitteln geführt. Man setzte im nordirischen Bürgerkrieg hoch erprobte Spezialeinheiten, alle staatlichen Repressionsmittel, legale und illegale, bis hin zum Geheimdienst ein. Neue Gesetze fesselten die Gewerkschaften und kriminalisierten sie, Streikkassen wurden konfisziert, Sympathiestreiks anderer Gewerkschaften wurden schlichtweg verboten und Streikposten auf eine Teilnehmerzahl von sechs reduziert. Mit brachialer Gewalt verschaffte man herbeigekarrten Streikbrechern, die man aus verarmten Bevölkerungsschichten rekrutierte und mit viel Geld köderte, Zugang zu den bestreikten Zechen.

Der Streik wurde dennoch ein ganzes Jahr durchgehalten und von breiten Schichten der Bevölkerung unterstützt. Thatcher aber versprach eine „Lektion, die niemand vergessen würde“. Die meisten Medien, einschließlich der BBC, die Justiz, Banken und Verbände schlossen sich in widerlichsten verbalen, juristischen und institutionellen Übergriffen der Repression gegen die Kumpel an. Von der Zeitung The Sun stammt der Satz: „…sie sind nichts weiter als in hässlichen Zechendörfern hausender menschlicher Bodensatz…“ („Scum of the world“).

Die Banken lieferten eigentlich geheime Informationen über die private finanzielle Lage der Streikenden. Diese erhielten keine Unterstützung durch Streikgelder, die familiären staatlichen Zuschüsse für bedürftige Familien wurden auf 15 Pfund/Woche reduziert. Die kämpfenden Bergleute hatten am Jahresende durchschnittlich 9000 Pfund Lohnausfall und 10.000 Pfund Schulden zu verschmerzen.

Margret Thatcher ließ sich die Brechung der gewerkschaftlichen Macht drei Milliarden Pfund (!) kosten. Vom riesigen gesellschaftlichen und ökonomischen Scherbenhaufen, von den nachhallenden sozialen Traumata hat sich Großbritannien bis heute nicht erholt. Die tiefe Spaltung der britischen Gesellschaft mag man noch heute am ehesten an den Brexit-Voten erkennen.

Anlässlich ihrer Beerdigung in London kehrten viele Tausende Menschen im Jahre 2013 Thatchers Trauerzug demonstrativ den Rücken zu.

von Anna Tüne

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