Tagestipp

Über das Kapital hinaus

Über das Kapital hinaus
2017 Volksbühne Berlin | general_use

Was hat Marx uns heute noch zu sagen? Schon vor 40 Jahren erschien das Buch „Marx oltre Marx“ des italienischen Politikwissenschaftlers, der zudem für seine Vorlesungs-Reihe über die Marxschen „Grundrisse“ bekannt wurde. Heute ist Negris damalige Lesart u.a. um ein drohendes Ende lebendiger Arbeit wieder en vogue, sein Buch ist unter dem Titel „Über das Kapital hinaus“ endlich ins Deutsche übersetzt worden. Eintritt 5 Euro.

Anlässlich der deutschen Übersetzung seines Buchs Marx oltre Marx (Marx über Marx hinaus), spricht der italienische Politikwissenschaftler Antonio Negri mit Antonella Muzzupappa, Referentin für politische Ökonomie der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Grünen Salon. Das 1979 erschiene Buch machte Negri lange vor Empire bekannt. 40 Jahre später sind seine Vorlesungen über die Marx’schen Grundrisse, gehalten an der Universität in Paris auf Einladung von Louis Althusser, längst zum Klassiker geworden. Die Vorlesungen waren auch ein Resümee der operaistischen Marx-Lektüre, die Anfang der 1960er-Jahre in Italien begonnen hatte. Sie markierten zugleich den Übergang in den so genannten Post-Operaismus , der mit Foucault und dem Post-Strukturalismus eine „biopolitische“ Marx-Lesart vornimmt. Laut Negri hatte Marx in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie die „revolutionäre Subjektivität“ der Arbeitskraft und ihre Kämpfe als diejenige gesellschaftliche Kraft in den Vordergrund gestellt, auf die das Kapital mit seiner Bewegung reagieren würde. Diese revolutionäre Subjektivität habe Marx aber in seinem Hauptwerk Das Kapital nicht mehr weiter verfolgt – insofern sei er bereits in den Grundrissen, obwohl eigentlich nur Vorarbeiten zum Kapital, „über sich selbst“ hinausgegangen. Im berühmten „Maschinenfragment“ der Grundrisse sage Marx sogar das Ende der kapitalistischen Produktionsweise voraus: Wenn Maschinen und ein „general intellect“ zunehmend die lebendige Arbeit ersetzen, „bricht die auf dem Tauschwert beruhende Produktion zusammen“ (Marx). Negris damalige Lesart erlebt derzeit eine Renaissance. Wurde sie zunächst im Post-Operaismus zum Bezugspunkt in den Debatten über immaterielle Arbeit und Post-Fordismus, so wird sie aktuell auf die Übernahme lebendiger Arbeit durch die Technologien der Digitalisierung und durch die Künstliche Intelligenz bezogen. Eine Kooperation der Volksbühne, Helle Panke e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung und Karl Dietz Verlag Berlin. Italienisch mit deutscher Simultanübersetzung. Tickets: 5€

Routen auf google.map anzeigen