Kunst

Bunte Steine

Bunte Steine
Georg Kolbe Museum

Das Georg Kolbe Museum präsentiert in der Ausstellung „Bunte Steine“ drei herausragende Positionen zeitgenössischer Kunst. Sie vereint rund 30 Werke der Bildhauer William Tucker und Kai Schiemenz sowie des Malers Stefan Guggisberg. Die Ausstellung nimmt den Gedanken einer Sammlung von Steinen auf, wie ihn Adalbert Stifter in seinem 1853 erschienen Erzählungsband „Bunte Steine“ verfolgt hat. Darin trägt jede Geschichte den Namen eines Steines: Granit, Kalkstein, Turmalin, Bergkristall, Katzensilber und Bergmilch. In den Erzählungen sind sie Dreh- und Angelpunkte für die geschilderten Verläufe des menschlichen Lebens im Zusammenspiel mit der Natur. Einer Steinsammlung gleich sind auch die in der Ausstellung gezeigten Werke: Wiederholt greifen die drei Künstler in ihren Arbeiten das Motiv des Steins auf.

Der gebürtige Brite William Tucker (*1935) ist international einer der anerkanntesten Bildhauer seiner Generation. Seine Bronzekörper zeugen von einer kraftvollen Sprache zwischen Figuration und Abstraktion: Menschliche Körperformen und geologische Gesteinsformationen sind darin gleichermaßen motivisch enthalten. Sie berühren ihr Gegenüber und fordern existentielle Fragen heraus. Der Berliner Künstler Kai Schiemenz (*1966) arbeitet seit vielen Jahren mit Glas. Natürliche Formationen aus Bruchstein überträgt er in diesen besonderen Werkstoff. Die lichtdurchlässige Qualität des farbigen Glases verleiht ihnen Edelsteincharakter und lenkt den Blick in eine beseelte Tiefe. Schiemenz gehört zu einer jüngeren Künstlergeneration, die das klassische Medium der Skulptur und seine vielschichtige Dimension in einen Resonanzraum des 21. Jahrhunderts weiterdenkt. Der in der Schweiz geborene und in Leipzig arbeitende Maler Stefan Guggisberg (*1980) schafft in seinen Ölarbeiten auf Papier berauschende Farbräume. Der Künstler setzte sich, wie Tucker und Schiemenz, wiederkehrend mit dem Motiv und der Materialität von Gestein auseinander. Das konkrete Objekt erweitert sich in seiner brillanten Malerei zu atmosphärischen Sinneseindrücken, dabei lotet er die Pole zwischen Schärfe und Unschärfe aus. Ob als gegossener Bronzekoloss bei Tucker, als fragiles Glasobjekt bei Schiemenz oder als aus Farbpartikeln sich Zusammenfügendes bei Guggisberg: Hier treffen die elementaren Gegensätze von Einfachheit und Erhabenheit, Massivität und Zartheit aufeinander. Die kraftvollen und zugleich stillen Werke konfrontieren ihr menschliches Gegenüber durch ihre starke Präsenz im Raum mit seinem In-der-Welt-Sein. Diese existenzielle Auseinandersetzung ist fortwährend aktuell und universal und auch deshalb in einer Zeit immer flüchtigerer Werte gesellschaftlich relevant.

Kuratiert wird die Ausstellung von Katherina Perlongo und Dr. Elisa Tamaschke.

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