Kunst

Objects of Wonder. British Sculpture from the Tate Collection 1950s-Present

Objects of Wonder. British Sculpture from the Tate Collection 1950s-Present
David Annesley, Swing Low (1964) | © David Annesley

Mit rund 70 Meisterwerken aus der Sammlung der Tate zeigt Objects of Wonder, wie britische Künstlerinnen und Künstler seit der Mitte des 20. Jahrhunderts die zeitgenössische Skulptur revolutioniert haben. Das Spektrum reicht von den Ikonen der Nachkriegsmoderne wie Henry Moore und Barbara Hepworth bis zu den Stars der Young British Artists wie Damien Hirst und Tracey Emin, die mit einer provokanten Neonskulptur vertreten ist. Dabei untersucht die exklusiv für das PalaisPopulaire konzipierte Schau wichtige Strömungen der Moderne und Gegenwart und die Beziehungen untereinander und das Umfeld, das diese Entwicklung bestärkte. Ein durchgehendes Motiv ist dabei die Transformation von alltäglichen Gegenständen. Durch Verfremdung, Neukombination und dramatische Inszenierungen werden sie zu Objects of Wonder (Objekten zum Staunen), die Geschichten in sich bergen und vergessene oder nur flüchtig wahrgenommene Dinge in völlig neuem Licht zeigen.

Den Auftakt der Schau bilden neben Hepworth und Moore die wichtigsten Bildhauer der britischen Nachkriegszeit, wie etwa Kenneth Armitage und Elisabeth Frink. Sie alle gehören zu den Künstlern, die den internationalen Erfolg der britischen Skulptur in den 1950er-Jahren einleiteten. Das setzt sich mit dem Aufstieg Anthony Caros in den 1960er-Jahren fort, den Kritiker als „führenden Bildhauer“ seiner Zeit bezeichnet haben. Moores ehemaliger Assistent, dessen Skulptur Yellow Swing aus dem Jahr 1965 in Objects of Wonder zu sehen ist, holte die Skulptur vom Sockel auf den Boden und schweißte seine Objekte aus industriellen Fundstücken, Stahl und Schrott zusammen. Als Lehrer an der St. Martin’s School of Art hatte Caro großen Einfluss auf die Künstler der sogenannten „New Generation“. Doch in den späten 1960er-Jahren entstand als Gegenreaktion auf seinen Formalismus eine neue Bewegung von jungen Künstlern, die eine stärkere Verbindung von Skulptur und Alltagsleben anstrebten. So betonten Gilbert & George und Richard Long das Ereignishafte der Skulptur. Ein Ereignis – das kann eine Serie von Postkarten sein, eine temporäre Installation in der Natur oder ein Spaziergang in der Landschaft. Andere Künstler opponierten Mitte der 1960er-Jahre gegen den Formalismus der Bildhauer der „New Generation“. Phyllida Barlow baute riesige Skulpturen und Installationen aus alltäglichen Materialien wie Scheuerlappen, Abdeckplanen, Bauholz und Gips. Paul Neagu, der 1970 von Bukarest nach London gezogen war, postulierte, dass Skulptur etwas sei, das man mit allen Sinnen sollte. Als Lehrer beeinflusste Neagu etwa Antony Gormley und auch Barlow unterrichtete viele Bildhauer, die über Großbritannien hinaus wegweisend wurden. Richard Wentworth wiederum war Lehrer einiger Künstlern die zu den „Young British Artists“ der 1990er-Jahre zählen.

Den Abschluss der Ausstellung bildet mit der Turner-Prize-Gewinnerin Helen Marten eine Künstlerin, die das traditionelle Interesse am Objekt in der britischen Skulptur mit den philosophischen Diskursen des 21. Jahrhunderts verbindet.

Elena Crippa, Curator of Modern & Contemporary British Art / Daniel Slater, Head of International Collections Exhibitions, Tate London

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Organisiert in Zusammenarbeit mit Tate London

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