Tagestipp

AsianArt Ensemble

Turbulenzen | Holger Gross

Die Globalisierung hat mehr als eine rein ökonomische Bedeutung. Verschiedene Kulturen rücken näher zusammen. Bekanntes und weniger Bekanntes vermischen sich. Wie befruchtend dieser Prozess für die zeitgenössische Musik sein kann, reflektiert das Festival. An drei Tagen erklingen Werke von Formationen, die sich klanglich dem europäisch-asiatischen Brückenschlag verschrieben haben. Das Omnibus Ensemble (Usbekistan), The Six Tones (Vietnam/Schweden), das Ensemble Extrakte (Berlin) und das heute spielende AsianArt Ensemble (Foto, Berlin) verbinden nicht nur verschiedene Kulturen, sondern auch Tradition und Moderne. Ein begleitendes Symposium hinterfragt kritisch den Eurozentrismus in der Neuen Musik.

Die Kulturen der Welt rücken näher zusammen und vermischen sich – alte Strukturen werden aufgebrochen, Unbekanntes mit Bekanntem kombiniert, Neues geschaffen. Wie befruchtend und spannend diese globalen Entwicklungen für die Musik sein können, zeigt das Festival „Turbulenzen“ im RADIALSYSTEM V. An drei Tagen präsentiert es die facettenreiche Arbeit von fünf Ensembles, die sich der Verschmelzung und Kombination von europäischen und asiatischen Klangstrukturen verschrieben haben. Das Omnibus Ensemble (Usbekistan), The Six Tones (Vietnam/Schweden) und das Ensemble Reconsil (Österreich), das Ensemble Extrakte (Berlin) und das gastgebende AsianArt Ensemble (Berlin) wirbeln die vielfältigen Musikkulturen und Traditionen durcheinander – und sorgen für Turbulenzen im besten Sinne. In vier Einzelkonzerten, in denen ihre bisherige Arbeit und speziell für das Festival entwickelte Auftragskompositionen vorgestellt werden, geben sie einen Überblick über ihre Beschäftigung mit unterschiedlichen Musikkulturen. Begleitende Konzerteinführungen und das Symposium „Turbulenzen – Neue Wurzeln für Neue Musik“ unter der Leitung von Prof. Sandeep Bhagwati bieten weiterführende Einblicke in das Thema der Interkulturalität in der Musik. Das englischsprachige Symposium hinterfragt kritisch den Eurozentrismus der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts und lenkt den Fokus auf Konversationen zwischen verschiedensten Traditionen und Logiken sowie die vielfältigen Wurzeln, denen Neue Musik entspringen kann. Der Abschluss des Festivals ist zugleich der Beginn von etwas Neuem: die Gründung einer interkulturellen Großformation, zusammengestellt aus Mitgliedern aller beteiligten Ensembles. Mit ca. 20 Musikern und einem Instrumentarium aus China, Japan, Korea, Usbekistan, Europa und Vietnam bringt das neugegründete Ensemble EAPOS – EurAsian Pool Of Sound zum Festivalfinale Auftragskompositionen namhafter Komponisten zur Uraufführung und legt damit den Grundstein für eine Weiterentwicklung dieser speziellen, kulturübergreifenden Musik. Es wird turbulent!

Bestehend aus Instrumenten aus China, Japan, Korea und Europa widmet sich das seit 2009 bestehende AsianArt Ensemble der Initiierung von Werken für diese weltweit einzigartige Kombination von Instrumenten und damit der Verschmelzung von vier verschiedenen Musikkulturen. Es ist auf der Suche nach neuen Perspektiven im Feld der aktuellen Musik fernab vom Mainstream der Neuen Musik aber auch von der sogenannten Weltmusik. Neben klassisch notierten Werken spielen konzipierte Gruppenimprovisationen eine wichtige Rolle in den Programmen des AsianArt Ensembles.

The Six Tones ist in der Kernbesetzung ein Trio, bestehend aus den Instrumenten Dan Tranh (vietnamesische Wölbbrettzither), Dan Bao (vietnamesisches Monochord) und Gitarre sowie diversen anderen Zupfinstrumenten. Das Ensemble integriert Video und Live-Elektronik in ihren multimedialen Projekten, welche die Grenzen von Film, Musik, Tanz und Theater zerfließen lassen. In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Ensemble Reconsil unter der Leitung von Dirigent Roland Freisitzer wird beim Festival im RADIALSYSTEM V das Stück „Arrival Cities: Hanoi“ des Komponisten Kent Olofsson zur Aufführung gebracht.

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