Tagestipp

Impala Ray

Impala Ray | Foto: Christoph Wesser

Zum Einbruch der Dezemberfinsternis überkommt den missmutig durch Nieselregen stapfenden Berliner Sehnsucht nach Süden. Ach, denkt er dann, warum habe ich mir dieses triste Stück Erde ausgesucht und nicht Wien oder München? Der Himmel soll dort offen sein und weit, die Luft klar, die nahen Berggipfel schneebedeckt, die Gemüter nicht so verhärmt und verbittert, sondern mild und „gschmeidig“, wie Rainer Gärtner sagen würde.
Er ist der Frontmann der Münchner Band Impala Ray, die besagte Sehnsucht seit vier Jahren idealtypisch bedient. Sie macht Folk-Musik mit Tuba und Hackbrett – und wäre fast so etwas wie die grandiose Band Granada für Wien, wenn Gärtner nur mutiger wäre und in bayerischer Mundart singen würde. Stattdessen singt er englische Sätze wie „She flies like a bird in the wind.“ Nun ja. Das von ihnen begründete Genre des „BayFolk“ spielt mit der Doppelbedeutung der ersten Silbe: Einerseits assoziiert man mit ihr die Herkunft der vier Musiker, das schöne Land von (Noch-)König Horst, andererseits die Bay-Area bei San Francisco, die eine nicht zu leugnende Einflussgröße ist. Alles in allem heitere Musik, die sich als Soundtrack für die neue irre schnelle ICE-Verbindung zwischen Berlin und München (4:30 Stunden!) eignet. Aber nach München muss man ja gar nicht, denn Impala Ray spielen bald im Badehaus. A Gaudi!
Thorsten Glotzmann
VVK 13,40 €

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