Kunsthaus

Ein gallisches Haus: die ehemalige australische Botschaft

Australiens ehemalige Botschaft in der DDR beherbergt Kunst, wie jetzt eine Ausstellung öffentlich bekannt machte

Die Umstände erinnern ein wenig an die bekannte Geschichte vom gallischen Dorf: Ganz Berlin ist besetzt. Ganz Berlin? Nein, ein merkwürdiges Gebäude in Pankow leistet Widerstand. Deren Nutzer versuchen die Regeln des kapitalistischen Imperiums zu unterlaufen. In bester Stadtlage nutzen sie eine lukrative Immobilie für Ateliers.

Joanna Kosowska / www.joannakosowska.com
Die ehemalige Botschaft Australiens in Ost-Berlin: Beton, Glasmosaike, Keramikschirmwände und im Sommer 2018 ein reichlich trockener Garten. Joanna Kosowska / www.joannakosowska.com

Es geht um die ehemalige Botschaft Australiens in der DDR. Einst war das Haus in der Grabbeallee wegen seiner Funktion als Auslandsvertretung tatsächlich exterritorial. Die Nutzung des 1975 bezogenen Plattenbaus durch die Australier endete bereits 1986. Spätestens seit Fall der Mauer und mit anschließender Privatisierung wäre damit zu rechnen gewesen, dass der vermeintlich hässliche Betonklotz abgerissen wird, weil sich auf dem Grundstück mit einem Neubau höhere Renditen erzielen ließen. Doch haben die wechselnden Eigen­tümer offenbar zu lange gezögert. Der Denkmalschutz verhindert seit drei Jahren einen leichtfertigen Abriss. Und wie in solchen Fällen nicht selten dürfen Künstler in der sanierungsbedürftigen Immobilie erst einmal ihrem Metier nachgehen, hier seit vergangenem Jahr. Und gibt es ­einen idyllischeren Ort als diesen: mit DDR-Chic, Glasmosaiken im Inneren und den aus der Werkstatt von Hedwig Bollhagen stammenden Keramikschirmwänden vor den Fensterfronten inmitten wild wachsenden Grüns?

Kunst oder Lofts

Die Künstlerin Sonja Hornung widmet dem Gebäude und seinen Geschichten nun eine Ausstellung mit dem sinnigen Titel „Ex-Embassy“. Hornung, in Australien aufgewachsen und seit 2012 in Berlin, hat dazu fünf Künstler und fünf Autoren eingeladen. Kunst und Texte sind eine Art Rechercheprojekt geworden. Ausgehend vom Gebäude stellen sie Fragen zur Rolle von Territorialität oder untersuchen die Beziehungen zwischen DDR und australischer Regierung.

Hornung nennt ihr Projekt eine „nicht neutrale Plattform“, die Kritik an neoliberaler Immobilienwirtschaft und -politik üben und für Interessen von Aborigines eintrete. Die Ureinwohner wurden in Australien lange Zeit sozial, aber auch territorial ausgegrenzt – auch das sind Aspekte ­einer Politik der Räume.

Anderseits liegt die Hoffnung der ansässigen Künstler für ihren Verbleib in dem Haus genau auf der Politik. Sie soll hier helfen, einen wenn nicht exterritorialem Zustand, so doch eine Konstruktion zu ermöglichen, die Künstler auch in Top-Stadtlagen arbeiten lässt. Im Portfolio des derzeitigen Eigentümer des Gebäudes, des Immobilien­entwicklers Prexxot, rangiert die Ex-Botschaft allerdings im August noch unter „Umwidmung ehemaliges Bürohaus in Loftprojekt und Neubau“.

Ist „Ex-Embassy“ also die letzte Gelegenheit, das Haus noch einmal als Ort der Kunst zu besichtigen? Oder weist Hornungs Organisationstalent den Weg, wie mit Hilfe der öffentlichen Hand, gemeinnützigen Stiftungskapital, Mäzenatentum, Crowdfunding oder anderem der Kunst ein Freiraum erhalten bleiben könnte?

Bis 31.8.: Grabbeallee 34, Pankow, www.es-embassy.com