Westbams Club-ABC

F wie Far Out

Ich wohnte in den 80er Jahren unweit des Far Out in Charlottenburg, der legendären Bhagwan Disco. Was mich dorthin zog, hatte wenig mit den freakigen Verheißungen von Ashram, Bhagwan, Poona und der Hoffnung auf freie Liebe zu tun, denn all dies fand dort nicht in dem Maße statt. Im Gegenteil: irgendwie umwehte den Bhagwan-Tanztempel immer ein überraschend gut gekühlter und gefilterter Hauch von nüchterner Geschäftsmäßigkeit
Die paar Male, die ich mich dorthin verirrte, musste ich immer aufpassen –  schon rein karmatechnisch – nicht aus Versehen mit meinen DocMartins Schuhen mit Stahlkappe nicht auf die baren Füße einer Sanyassinfrau zu trampeln, die bestimmt gerade auf dem Weg zur Tanzfläche war, um dort zu Ravels Bolero eine Bo Derek Nummer abzuziehen, die ähnlich wie die einschlägigen Szenen aus  „Dirty Dancing“ einen stilbildenden Einfluß auf die 80ger hatten. Auf seine Art und Weise war das Far Out sogar trendy, es gab dort bereits zu jener Zeit einen Nichtrauchertag, der wenn ich mich recht erinnere, stets Donnertags stattfand und ein absoluter Pflichttermin des West-Berliner Nachtlebens in den 80ern war, am Lehniner Platzen cruisten GTIs aus Zehlendorf und Schmargendorf und eine riesige Menschentraube stand auch vor dem Laden. Die Farbe orange war dort schon lange vor Techno populär.
In meinen besten Far-Out Momenten nippte ich an einem Gin Tonic und frönte einer geheimen Leidenschaft von mir: Hippies mit Schlapphüten und langer Mähne beim Ausdruckstanz zu den Klängern von „Radar Love“ zu beobachten. Ein Traum.

Zeitpunkt des Besuchs: 1988
Ort: Lehniner Platz
Typischer Track: George Benson – On Broadway

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