Kino

Fahrenheit 11/9

Ja, es stimmt: Michael Moore setzt sich gern selber ins Bild. Ja, Moore manipuliert. Ja, er richtet seine Montage nach der anvisierten Wirkung aus – steht so aber auch in der Tradition des klassischen US-Dokumentarfilms, der immer schon mit Mitteln des Spielfilms gearbeitet hat. Er hat sich in seinem neuen Film nicht nur Herrn Trump vorgenommen, sondern geht auch mit den US-Demokraten hart ins Gericht.

Foto: Midwestern Films LLC All rights reserved

Die Wahl Trumps zum 45. Präsidenten der USA am 9. November 2016 (daher der Filmtitel) hätten sich viele ­aufgeklärte Amerikaner nicht träumen lassen. Der Patriot Moore weist nun aber auch über Trump hinaus und fördert in gewohnt subjektiver Art schlimme Dinge zutage. Was etwa in Moores Geburtsstadt Flint, Michigan, für Verbrechen an der meist schwarzen Bevölkerung mit verseuchtem Wasser begangen werden – ein Skandal. Wie die Demokraten unbedingt die Wahl Hillary Clintons zur Kandidatin durchdrückten – unfassbar. Moores zentrale Botschaft: Die USA werden von reichen, weißen, ­alten Männern kontrolliert, die wohl gerne in ihre eigene Tasche arbeiten.

Michael Moore
Foto: Midwestern Films LLC All rights reserved

Aber es gibt Hoffnung: die vielen jungen Leute, ­Frauen und Angehörige von Minderheiten, die ­einen Weg in die parlamentarische ­Politik anpeilen. So stringent wie in „Bowling for Colum­bine“ (2002) geht Moore nicht mehr vor; er springt oft verwirrend zwischen den Themen hin und her, unterfüttert den Stoff nicht mehr so charmant mit Gimmicks. Aber er macht immer noch Filme voller Kraft und Wut. 

USA 2018, 128 Min., R: Michael Moore, Kinostart: 17.1.

Infos und Termine

https://www.zitty.de/event/kino/fahrenheit-11-9/

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