DYSTOPIE

Fahrenheit 451

Ernst-Busch-Studierende spielen Bradbury – Foto: Moritz Haase

Ray Bradburys hochaktueller Roman von 1953 zeigt eine diktatorische Zukunftswelt. In einer Stadt gilt es als schweres Verbrechen, Bücher zu besitzen. Die Feuer­wehr hat nicht die Aufgabe zu löschen, sondern die aufgefundenen Bücher zu verbrennen. Bildung, eigenständiges Denken gelten als Störung der gleichgeschalteten, mit Drogen und flacher Unterhaltung ruhig gestellten Gesellschaft. Der Feuerwehrmann Montag gerät nach unerlaubten Lektüren in Konflikt mit dem System. Er tritt die Flucht an.

Verdienstvoll von dem jungen Ensemble die Vorlage, die in ihrer Zeit auch vor der Wirkung von Massenmedien wie dem Fernsehen warnen wollte, auf die Bühne zu stellen. Doch die politische Schärfe, noch in Truffauts legendärer Verfilmung (1966) zu erleben, geht Alexander Simons Inszenierung ab. Sie verliert sich in vorgespielten Versatzstücken der Story, die für den Zuschauer schwer nachvollziehbar ist.

Die neun Spielenden wechseln vor oder hinter einer großen Jalousie in die Rolle des Montag. Immerhin wird im schemenhaften Spiel hinter der durchsichtigen Wand die unheimliche Situation angedeutet, sie tragen monströse Uniformen, und in einer grellen Szene treten die geifernden Wohlstandsfrauen der Stadt auf. Doch bedrohlich wirkt in dieser Welt eigentlich nichts. Schade. AXEL SCHALK

15.2., 20 Uhr, 16.2.,18 Uhr, 20.2., 20 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte Regie: Alexander Simon, mit Yanina Cerón, Hauke Petersen, Alida Stricker, Hugo Tiedje. Eintritt 9–18 €