Utopia

Fahrradhelme aus Pilzen

Forschende des TU-Projektes „Mind the Fungi“ züchten aus Pilzen Alltagsgegenstände

Foto: Bertram Schmidt

Das Problem  Erdöl ist der wichtigste Rohstoff der Industriegesellschaft. Aus ihm werden zum Beispiel Medikamente, Lacke, PET-Flaschen, Staubsauger und Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin hergestellt. Das in der oberen Erdkruste liegende Stoffgemisch ist allerdings nur begrenzt vorrätig – und seine Abfallprodukte vermüllen die Welt.

Die Lösung  Um die Umwelt zu entlasten, lohnt es sich, auf einfach abbaubare Materialien umzusteigen – zum Beispiel auf Pilze. Etwa sechs Millionen Pilzarten gibt es auf der Welt. Häufig leben sie symbiotisch mit Bäumen. Aber nicht nur im Wald, sondern auch im Essen, Wein, Bier und Medikamenten finden sich Pilze oder Pilzprodukte. Und ihr Potenzial ist noch lange nicht erschöpft. Seit 2018 existiert das Projekt „Mind the Fungi“ an der TU. Etwa zwanzig Forscher*innen arbeiten daran, Alltagsgegenstände, die normalerweise erdölbasiert sind, aus Pilzen herzustellen.

Die Zukunft  Zu Anfang des Projekts untersuchten die Forschenden das Erbgut von sechzig verschiedenen Baumpilzarten. Aus einem von ihnen, dem Zunderschwamm, züchtete ein Studierender einen Fahrradhelm. Zuerst bildete er die Innen- und Außenseite eines Fahrradhelms mit einem 3D-Drucker nach. Den dabei entstandenen Hohlraum befüllte er mit einem natürlichen Nährmedium aus Hanfresten und dem Myzel des Zunderschwamms. In diesem Hohlraum wuchs dann das Pilz- Pflanzengemisch zum Prototypen des Fahrradhelms heran. Bis jetzt ist der Helm noch nicht wind- und wasserfest. Bei einer regnerischen Fahrradtour würde er anfangen zu wachsen. Eine Überzug aus Bioplastik würde dieses Problem lösen. Dann wäre es möglich, Fahrradhelme herzustellen, die man später einfach im Biomüll entsorgen könnte.