Familiendoku

Familie haben

Tolstoi wusste: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ In seinem Langfilm-Debüt spürt der junge deutsche Regisseur Jonas Rothlaender nun dem Unglück, respektive „Schatten“ nach, der „seit ich denken kann auf meiner Familie lastet“. Er reist dazu nach Zürich, wo er seinen betagten und mittellosen Großvater in einem Altersheim trifft. Der soll Millionen in Börsenspekulationen veruntreut haben, so auch das Vermögen seiner einstigen Ehefrau, der Großmutter des Regisseurs.

Familie haben D 2015; R: Jonas Rothlaender; 130 Min.; Start 7. Januar 2016Foto: Jonas Rothlaender
Familie haben D 2015; R: Jonas Rothlaender; 130 Min.; Start 7. Januar 2016
Foto: Jonas Rothlaender

 

Werden wir die gleichen Fehler machen, ohne dass wir diesem Schicksal entkommen können? Warum ist das Verhältnis zur Mutter derart belastet? Es sind Fragen wie diese, die den mit einer wackeligen Handkamera ausgestatteten Regisseur umtreiben. Es gibt einige Momente, da fühlt man sich als Zuseher ob Rothlaenders unbarmherziger, teils selbstgerechter Art unwohl, seinen Großvater auch auf dem Sterbebett noch mit Fragen zu malträtieren. Und doch fesselt einen das ungewöhnliche, über zwei Stunden lange Porträt einer Familie. Von einer objektiven Sicht zwar ist Rothlaenders Film weit entfernt, der mehr Selbsttherapie ist denn Doku. Zugleich aber handelt es sich bei „Familie haben“ um eine spannende und mutige Auseinandersetzung mit dem eigenen Herkunftssystem; um ein Debüt mithin, über das man lange nachdenken und auch streiten kann.

D 2015, 130 Min., R: Jonas Rothlaender