Kino

Familiye

Nach fünfjähriger Haftstrafe ist Danyal ­wieder frei. Seit dem Tod der Eltern hat er die Verantwortung für seine beiden jüngeren Brüder übernommen. Doch der spielsüchtige Miko hat Schulden, die nun bei ­üblen Geldeintreibern fällig sind, und dem mit Down-Syndrom geborenen ­Muhammed droht die Abschiebung ins Heim. Zudem hat sich in der Wohnung der Brüder auch noch die aus der Psychiatrie entflohene ­Silla eingenistet.

Drei Brüder: Miko (Arnel Taci, li.), Muhammed (Muhammed Kirtan), und Danyal (Kubilay Sarikaya)
Foto: Koryphaen

Der raue Wind im Spandauer Kiez lässt die Brüder immer wieder an ihre Grenzen stoßen. „Bei uns im Viertel wird immer ­gezockt. Dein Leben läuft ab wie beim ­Poker. Zuerst kommt der Small Blind, das ist der Mindesteinsatz, den hier jeder zahlen muss – dein Leben“, hört man gleich zu Beginn des Films aus dem Off.
Ihren eigenen Kiez haben die beiden ­Regisseure Kubilay Sarikaya und Sedat ­Kirtan mit „Familiye“ porträtiert. Denn in der Gegend rund um die Lynarstraße in Spandau sind die beiden aufgewachsen, dort leben sie noch und gründeten 2007 ihre ­Produktionsfirma Lynarwood. Mehr als acht Jahre arbeiteten der ehemalige Streetworker Sarikaya und der Personenschützer Kirtan an der Umsetzung des Films. Sie ­besetzten viele Rollen im Film mit Freunden und übernahmen selbst ­neben Regie, Drehbuch und Produktion auch wichtige ­Rollen. Diese Verwurzelung – auch, dass Muhammed Kirtans echter Bruder ist – verleiht dem Film eine einmalige Authentizität und Street Credibility.

Die kontrastreichen Schwarz-weiß-­Bilder und der Soundtrack der Rapper ­Xatar und Haftbefehl tun ihr Übriges. Xatar, der eine hübsche Nebenrolle als philosophierender ­Bäcker hat, holte seinen Kumpel Moritz Bleibtreu mit ins Boot. Mit seinen Kontakten half dieser, als Koproduzent den ohne jegliche öffentliche Förderung finanzierten Film ins Kino zu bringen.

Mit ihrem an die Serie „4 Blocks“ ­erinnernden ­Debüt – beim Oldenburg ­Filmfestival als bester Film prämiert – ­erzählen ­Sarikaya und Kirtan eine ­packende Geschichte über Familie, Liebe und Verantwortung. Die beiden geben einen realis­tischen Einblick in die raue Berliner Straßenrealität, zeigen aber auch die ­große Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der ­Menschen.   ALEXANDER WENZEL

D 2017, 92 Min., R: Kubilay Sarikaya und Sedat Kirtan, D: Kubilay Sarikaya, Arnel Taci, Muhammed Kirtan, Violetta Schurawlow