Der Test

Fassaden deuten

Was soll das?

Foto: Marie Claire Lukas

Turit Fröbe, Berliner Architekturhistorikerin und Urbanistin („Die Stadtdenkerin“) hat mit „Alles nur ­Fassade“ (erscheint am 17.9. bei Dumont) ein „Bestimmungsbuch für moderne Architektur“ vorgelegt. Gemeint ist dabei die Zeit von 1900 bis heute, vom Jugendstil der Vormoderne bis zu den Neo-Stilen der Gegenwart. Die Idee: anhand von Fassaden­elementen den Architekturcharakter zu bestimmen. Und endlich gegenhalten, wenn die Architektur-Wichtigredner bei der nächsten Party wieder jede Stadtdebatte dominieren wollen.

Wie funktioniert das?

Ein Abend in Ku’damm-Nähe, eine kleine Gruppe von Testpersonen. Turit Fröbe führt das Fassadengucken vor: „Das Buch ist dazu da, auf der Straße angewendet zu werden.“ Mommsen­straße, ein Prachtbau von einem Mietshaus, großbürgerlich, fünf Stockwerke. Der erste Blick gilt stets den Fenstern, im Buch geben zwei Doppelseiten dazu einen Überlick. Fröbe: „Ist es konservative Moderne oder Reformarchitektur?“ Des Rätsels Lösung geht hier schnell: ovale Fenster. Die gab es so nur in der Reformarchitektur. Es ist, Architekturkenner wissen das natürlich, das „Gelbe Haus I“ von Albert Gessner. Und weiter durch den Kiez. Fröbe stoppt immer wieder, lässt raten, grübeln, nachschlagen.

Wie geht’s weiter?

Das Fassaden-Bestimmen mit Turit Fröbes Buch braucht ein bisschen Übung. Macht aber ungemein Spaß. Wenn sich der Sinn von Fledermausgauben, Mittelkreuzstockfenstern pseudo-­gerundeten Ecken offenbart. Und es macht Lust auf die Stadt. Sogar auf das, was gemeinhin nach Bausünde aussieht. Die ­hatte Fröbe bereits vor fünf Jahren in ihrem Buch „Die Kunst der Bausünde“ rehabilitiert. Am 29. September führt die „Stadtdenkerin“ in zwei architektonischen Stadtspaziergängen in die Fassadenkunde ein, Treffpunkt ist um 14 und 16.30 Uhr die Buchhandlung am Fellbacher Platz, Heinsestraße 25, in Hermsdorf. Das Ticket kostet zehn Euro.