Tragikomödie

Feierabendbier

Feierabendbier
Feierabendbier
Foto: Gaze Films Jakob Wiessner

Der tiefbraune, fast schwarze ­Mercedes 500 SEC, Jahrgang 1981, ist ein Pracht­exemplar. Unheimlich cool und ein ­wenig unheimlich – so passt er ganz gut zur griesgrämigen Anmutung seines Besitzers: dem melancholischen, Kette rauchenden ­Magnus, der eine schummrige ­kleine Bar betreibt, irgendwo in einer dunklen Ecke Münchens. Er dreht fast durch, als der SEC plötzlich weg ist. ­Magnus durchstreift mit Kumpels die Stadt, auf der ­Suche nach dem Dieb. Die Krise aber wird zur ­Chance: Endlich muss er sich klar darüber werden, warum er getrennt lebt von Frau und Kind, warum er sich abkapselt von der Welt.

Regisseur Ben Brummer, Absolvent der Filmhochschule München, der seinen Film jüngst in der Perspektive ­Deutsches Kino der Berlinale vorstellte, ist nur ein Jahr älter als das verehrte Auto. Auch wenn nicht jede Dialogzeile sitzt und manche Figur kaum überzeugt, schenkt uns Brummer mit seinem Spielfilm­debüt einen ungewöhnlichen Blick auf die ­bayrische Landeshauptstadt. Im Kino hat man München kaum je derart ­düster ­erlebt. Heimlicher Star des Films aber ist Christian Tramitz („(T)Raumschiff ­Surprise“): Sein Manfred sitzt allabendlich im scheußlich-hübschen Katzenpulli in ­Magnus’ Bar, trinkt Rüscherl (Cola und Rum) und beschäftigt sich mit morphogenetischen Bewusstseinsfeldern.

D 2018, 113 Min., R: Ben Brummer, D: Tilman Strauß, Christian Tramitz, Julia Dietze

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