Berlin

Die besten Festivals 2019

Vor 50 Jahren feierten 400.000 Freigeister das Woodstock-Festival – es war der Urknall: zu Campingurlauben voller Musik, Drogen, Utopien und im wahrsten Sinne des Wortes schmutzigem Sex. Wir haben anlässlich des Jubiläums die Macher*innen der Woodstock-Nachfolger rund um Berlin nach ihren größten Glücksmomenten und Herausforderungen gefragt – und was das Besondere an ihren Festen ist

Interviews: Meret Eikenroth
Julia Loren
Martin Schwarzbeck

Am 15. August jährt sich der Beginn des Woodstock zum 50. Mal. Inwiefern kann man Euer Fest mit dieser Festival-Legende vergleichen?

Zurück zu den Wurzeln Was man vielleicht vergleichen kann, ist der „One Love Spirit“. Es ging um Gemeinsamkeit, Toleranz und Gleichheit und vor allem um Frieden. Da war es egal, wer du warst und wo du herkamst, alle haben zusammen gefeiert und eine gute Zeit gehabt. Trotz sehr schlechtem Wetter. Fast wie bei uns.


9.6.

Zurück zu den Wurzeln

14913 Niedergörsdorf
wurzelfestival.de
7.000 Besucher
Ticket 141,71 €
Inklusionsticket 49,84 €
8 Bühnen: Psytrance, Dark Forest, Techno, Tech-House, Ambient, Disco, Reggae, Liedermacher


Off the Radar Wir hatten beim ersten Off The Radar in Deutschland ähnlich viel Schlamm wie in Woodstock – und mindestens genau so viel Harmonie unter unseren Gästen.

Tag am Meer Was die Festivals gemeinsam haben: Bei beiden kamen beziehungsweise kommen Gleichgesinnte zusammen. Allerdings war das Woodstock eine einmalige Geschichte, unser Familientreffen findet zum Glück jedes Jahr statt.

VooV Wir fühlen uns den Idealen der Hippiebewegung verbunden, also dem Wunsch nach Frieden, gegenseitigem Austausch und Verständnis der Kulturen und Völker über nationale und soziale Grenzen hinaus – und wir glauben daran, dass das durch Musik zumindest möglich ist!

PxP Vergleichen kann man sicherlich das Event an sich: ein friedliebendes Beisammensein mit fantastischer Musik und tollen Menschen.


19. – 21.7.

Nation of Gondwana 

14621 Grünefeld
pyonen.de
10.000 Besucher
Ticket 119,79 €
5 Bühnen: vor allem Techno und House, aber auch Downbeat, Disco, Rock’n’Roll


Antaris Woodstock steht für: Love, Peace & Happiness, für den Slogan: Make Love Not War! Unser Sinnspruch ist fast der gleiche. Ant-Aris heißt: „Against War! For Friendship, Peace and Freedom. It’s for your eyes, your ears and your heart. Love & Dance!“

Mit Dir Der Zeitgeist der 60er und 70er ist mit kaum etwas zu vergleichen. Feindbilder und die Verbindung zwischen Politik und Musik waren wesentlich klarer. Wir hoffen jedoch, dass unser Festival ein bisschen organisierter ist.

Was ist das Besondere an Eurem Festival?

Nation of Gondwana Wir lassen die Hauptbühne nur Samstagnacht und am Sonntag laufen. Der Fokus ist bei uns massiv aufs Tanzen gerichtet und auf die Musik.

Tag am Meer Was den Charme des Festivals ausmacht, ist seine Gemeinnützigkeit. Das Tag am Meer wird vom Landesjugendverband Mecklenburg-Vorpommern mitorganisiert – es ist also ein Festival für die Jugend aus der Gegend, aber es kommen auch Gäste aus Spanien oder Norwegen. Ausverkauft sind wir deshalb jedes Jahr, aber vergrößern wollen wir uns nicht. 


6.7.

Tag am Meer 

18609 Prora
tagammeer-festival.de
2.000 Besucher
Ticket ab 27,60 €
2 Bühnen: House, Electro, auch Disco
Foto: Marc Ortchig


Wilde Möhre Wir sind ein nachhaltiges Festival mit Öko-Klos, Ökostrom, Food-Sharing, strikter Mülltrennung und kompostierbarem Geschirr. Neben dem sorgfältig ausgewählten Musikprogramm, das selbst schon ungewöhnlich viele Genres und Sparten abdeckt, finden Besucher bei uns ein Kino, Theater, Vorträge und eine Vielzahl an Workshops, die sämtliche Bereiche von DIY bis hin zu körperlichen Aktivitäten abdecken. Es wird Kunst ausgestellt, es gibt einen Wellness-Bereich und einen See zum Entspannen und unzählige Kleinigkeiten, die das Erlebnis abrunden. Sogar tätowieren lassen kann man sich auf unserem Gelände. 

Off the Radar Wir haben einen Verein gegründet, der Projekte der humanitären Hilfe unterstützt. 2015/16 hat der Verein sich an der NoBorderKitchen auf den griechischen Inseln beteiligt. 2016/17 haben wir durch das Sammeln von Spenden in der Musik- und Partybranche das mobile Hospital der NGO „Cadus“ auf den Weg in den Irak gebracht. Aktuell waren wir in Bosnien und haben dort gestrandete und an der Weiterreise gehinderte Flüchtlinge medizinisch versorgt. Uns ist es wichtig, auch selbst vor Ort zu sein und etwas zu bewegen.

Pop-Kultur Wir legen den Fokus nicht so stark auf das Musikgeschäft, sondern auf die Bedürfnisse von Künstler*innen, DJs und Producer*innen, auf Interdisziplinarität, Diversität – und das Coaching von Nachwuchskünstler*innen in unserem parallelen Format „Pop-Kultur Nachwuchs“. 

Alínæ Lumr Unser Festival findet nicht auf einer Wiese im Nirgendwo statt, sondern mitten in der charmanten Altstadt von Storkow: Auf der Burg, am Marktplatz, den Hinterhöfen, der Altstadtkirche, auf versteckten Wiesen und am See wartet ein sorgfältig kuratiertes Musik- und Kulturprogramm auf die Besucher*innen. 


1. – 4.8.

A Summer’s Tale 

21394 Westergellersen, asummerstale.de
bis zu 15.000 Besucher
Ticket 176 €
5 Bühnen: Indie, Folk, Singer-Songwriter, Postpunk
Foto: Malte Schmidt


3000 Grad Die ganz bewusst familiär gehaltene und entspannte, persönliche Atmosphäre. Wir wollen eine „Lagerfeuer mit Freunden“-Stimmung ins Festival bringen, das ist uns genauso wichtig wie die Momente der großen Gefühle vor einer großen Anlage mit tollen Musikern und Künstlern.

PxP Das PxP Festival ist mittlerweile das größte Benefizfestival Europas. Alle teilnehmenden Künstler verzichten auf ihre Gage. Mit dem Erlös können wir diverse Kinderprojekte initiieren und unterstützen.

Antaris Die Antaris ist ein sehr friedliches und ekstatisches Festival. Markenzeichen ist außerdem das Antaris-Ufo auf dem Mainfloor, die abgefahrene Schwarzlichtdeko in Form eines Spaceships. Wer dort einsteigt, wird direkt ins Party-Universum gebeamt.

Helene Beach Es ist Urlaub und Festival in einem. Mit abwechslungsreichen Aktivitäten wie Kino im Theatergarten oder Sport am Beach.


23. – 25.8

Alínæ Lumr 

15859 Storkow (Mark),
alinaelumr.de
1.000 Besucher
Ticket 64 €
5-6 Bühnen: Indie, Folk, Neoklassik, Pop
Foto: Fabian Willi Simon


Zurück zu den Wurzeln Wir bezeichnen uns weniger als Musik-, sondern eher als Kunst- und Kulturfestival. Es gibt Galerien – zum Beispiel vom ehemaligen Tacheles in Berlin – Workshops, Vorträge, politische Debatten und sogar eine kleine Bibliothek. Zusammen mit unseren Gästen erschaffen wir für vier Tage eine kleine Utopie, einen Gegenpol zur Ellenbogengesellschaft des täglichen Lebens. Und bei uns sind Menschen mit Handicap mittendrin statt nur dabei. Deswegen haben wir das Festivalgelände möglichst barrierefrei gestaltet. Das ist ein enormer Aufwand und sehr kostenintensiv. Aber das ist es uns wert.

Was war euer größter Glücksmoment beim Festivalmachen?

Nation of Gondwana Es geht schon los mit dem Abstellen des Wohnwagens am ersten Aufbautag, das ist ein Superglücksmoment, da geht das Herz über. Wir sitzen hier elf Monate im Jahr an einer Veranstaltungsplanung, und sobald wir draußen sind und die Planung abgeschlossen ist, ist das eine einzige Dopaminattacke. Der Umgang, der da herrscht, ist so freundlich, liebevoll, konstruktiv. Das ist drei Wochen lang die Gesellschaft, die wir uns eigentlich wünschen würden, für immer. Das ist so anders. 

Tag am Meer Es muss 2014 oder 2015 gewesen sein – wir waren am Freitag gerade fertig mit dem Aufbau geworden, da gab es plötzlich eine Sturmwarnung, und auf einmal hat es in Strömen geregnet. Weil der Wind so stark war, mussten wir alle zusammen die am Strand aufgebaute Bar hochheben und auf die Düne versetzen, während der Hagel auf uns einprasselte. Da hat man so richtig gemerkt: Wir sitzen hier alle in einem Boot.

Zurück zu den Wurzeln Die schönsten Momente sind, wenn die Solidargemeinschaft funktioniert. Zum Beispiel, wenn das Festival losgeht und wir noch nicht ganz fertig sind. Da kommen die Gäste und fragen: Wie können wir helfen? Und dann fangen sie an, Kühlschränke zu schleppen und richten die Bar ein. Viele schöne Momente gibt es auch mit Menschen mit Behinderung. Die feiern viel geiler als wir! Das ist eine völlig andere Atmosphäre, die strahlen richtig Lebensfreude aus.

Natürlich Irre Das war 2015, am Sonntag auf dem Goafloor. Bei allen anderen Bühnen war die Musik schon aus. Pünktlich um 11 Uhr startete der letzte Act. Und anders, als viele erwarteten, wurde kein Goa gespielt. Stattdessen folgte ein bunter Mix aus den 80/90ern. Anfangs gab es noch regen Protest einiger Goanauten, doch dann gab es kein Halten mehr. Selbst vom Campingplatz strömten noch Gäste zur Bühne und feierten mit. Die Stimmung war unglaublich. Jeder gab nochmal alles.


21. – 23.8.

Pop-Kultur 

KulturBrauerei
10435 Berlin,
pop-kultur.berlin
10.000 Besucher
Ticket 43,80 €,
15 Bühnen: Folk, Pop, Hiphop
Foto: Camille Blake


Off the Radar 2017 sind wir hart abgesoffen, mit 120 Litern Regen pro Quadratmeter. Wir mussten eine Lagerhalle öffnen, damit Gäste, deren Zelt geflutet war, einen Platz zum Schlafen hatten. Trotz der widrigen Umstände hast du immer in lachende Gesichter geschaut.

Lollapalooza Dieser Moment, wenn sich die Tore öffnen und die ersten Besucher mit großen und staunenden Augen auf das Gelände kommen und ihr Lolla-Abenteuer starten, erzeugt immer wieder Gänsehaut. 

3000 Grad Am Sonntagabend spielt auf der Waldbühne zuletzt immer unsere „Hausband“ Skazka Orchestra. Das gesamte Team versammelt sich an und auf der Bühne und wir feiern zusammen mit unseren Besuchern.

Was war Euer schrägster Festivalmoment?

Off the Radar Sind die nicht alle irgendwie schräg?

Nation of Gondwana Das war die Stürmung durch die Polizei 2003, „Hier sind tausend Mann auf der Tanzfläche, aber ich hab nur sechs Schuss in meiner Waffe“, hat da einer gesagt. Und einmal haben wir eine Performance gemacht mit einem Hai im See, und da sind alle drauf reingefallen: DRK, Polizei, alle sind hin zum See, bis ihnen aufging: Es kann hier überhaupt keinen Hai geben.

Antaris: 2013 oder 2014, als der Sturm die Hauptbühne um 10 bis 20 Zentimeter anhob, während gerade mehrere Leute darauf arbeiteten.

Manche finden ja, Festivals waren noch vor einigen Jahren schöner, intimer, unkommerzieller. Was meint Ihr, war „früher alles besser“?

Tag am Meer Es gab früher einfach weniger Festivals, deshalb hatten die Veranstalter keinen Druck, ihre Tickets loszuwerden – und haben entsprechend nicht so viel Werbung gemacht. Das hat dann tatsächlich nur die Leute erreicht, die es erreichen sollte, man blieb unter sich.


19. – 21.7.

Natürlich Irre 

17235 Neustrelitz
natuerlich-irre.de
900 Besucher
Ticket VVK 58 €, AK 65 €
2 Bühnen: Techno, Minimal, Techhouse, Goa, Hip Hop, Rap, Rock, Polka
Foto: Raketen


VooV Auf keinen Fall! Klar, früher war natürlich alles anders und es war spannend, die Entstehung einer ganz neuen, aufregenden Subkultur mitzuerleben, die heute längst auch im Mainstream angekommen ist. Aber das sind Äußerlichkeiten. Die Musik ist immer noch die Kraft, die uns treibt, neben unserem Ziel, Menschen durch dieses gemeinsame Erlebnis miteinander zu verbinden. Und das wird niemals an Reiz verlieren.

Was sind die größten Herausforderungen beim Festival-Organisieren?

Nation of Gondwana Die Kosten im Rahmen zu halten. Die Anforderungen an Sicherheit und so weiter steigen stetig. Auch die Künstlergagen steigen ins Unermessliche, gerade bei den Top-DJs. Aber du hast halt auch so eine innere Grenze, was den Eintrittspreis angeht. Und da den Spagat hinzukriegen, ist nicht einfach. Das ist jedes Jahr eine Riesenherausforderung.

Tag am Meer Die größte Herausforderung für uns ist: Wir haben 48 Stunden für den Aufbau, 24 Stunden für den Abbau. In ein paar Stunden schaffen wir eine Kulisse aus dem Nichts. 

Pop-Kultur Ein Programm zusammenzustellen, das einladend ist – das eine gelungene Mischung aus bekannten und unbekannten Namen darstellt, das nicht ausgrenzt, aber gleichzeitig sperrig genug ist, um Neugier zu erzeugen. 

Alínæ Lumr Das ist sicher das liebe Geld. Und da wir alle ehrenamtlich arbeiten, ist die größte Herausforderung manchmal auch die eigene Motivation, sich abends nach der Uni oder dem 40-Stunden-Job noch hinzusetzen und sich seinem „Freizeit-Job“ zu widmen. 


25. – 28.7.

Off the Radar 

24625 Negenharrie
offtheradar.net
2.000 Besucher
Ticket 80 €
8 Bühnen: Punk, Bass, Techno, Rock, Electro, Electropunk, Drum&Bass, Dubstep, Krautrock, Avantgarde, Future Bass, Indie
Foto: Malte Struck


Mit Dir Ein Festival in dieser Größenordnung wirft nicht wirklich Gewinn ab. Trotzdem arbeitet man das ganze Jahr daran, das kann stellenweise frustrieren. Und quasi alle Entscheidungen werden basisdemokratisch getroffen, das heißt viel diskutieren und sich immer wieder selbst zu hinterfragen.

Wilde Möhre Unwägbarkeiten. Es gibt immer wieder Dinge, die nicht vorhersehbar sind, auch nach langjähriger Erfahrung und viel Planung. Aber ein bisschen Nervenkitzel gehört auch dazu.

Haben sich die Anforderungen an ein gutes Festival über die Jahre verändert?

Zurück zu den Wurzeln Ja, das Anspruchsverhalten der Gäste hat sich geändert. Viele wollen mittlerweile ganz viel für so wenig Geld wie möglich. Krasse Headliner, Monster-Lichtshows, Nobelzelten… Dadurch entsteht ein hoher Wettbewerbsdruck in der Szene. 

VooV Der Anspruch an das Line-Up, an die technische Perfektion der Produktion und die Bequemlichkeit der Gäste ist viel höher geworden. Aufgrund des Überangebots an Veranstaltungen ist eine ganz andere Erwartungshaltung beim Publikum entstanden, die nach immer neuen vermeintlichen „Highlights“ strebt.

Wilde Möhre Die Gäste sind anspruchsvoller geworden und achten mehr als früher auf Dinge wie Nachhaltigkeit, ein veganes Essensangebot und ein Rahmenprogramm fernab des reinen Feierns. Vor allem wenn die Gäste mit einem speziellen Festival älter werden und sich ihre Ansprüche dann vom reinen Feiern immer mehr zu einem Wochenende mit Möhrwert entwickelt.

Wie sieht das seitens der Künstler aus?

Tag am Meer Die Künstler wissen, dass wir wenig Budget haben, und spielen alle für weniger Geld. Wir hören immer wieder von Musikern: Das mit dem Geld ist egal, ich habe einfach Lust, bei euch aufzutreten. Wir versuchen deshalb immer, den Künstlern den Tag so schön wie möglich zu gestalten.

Alínæ Lumr Schräg sind meist eher die Catering-Rider. Eine Band bestand mal vehement auf Champagner, aber sowas gibt es bei Edeka in Storkow eben nicht.


19. – 22.7.

Voov 

16949 Putlitz
voov-festival.de
5.000 Besucher
Ticket 105 €
3 Bühnen: Psytrance, Progressive Trance, Forest, HiTech, Chill Out
Foto: Benjamin Genz


Off the Radar Wir haben keine Künstler, die ihren Backstage mit weißen Tulpen bestückt haben wollen. Natürlich gehen wir auf realistische Wünsche ein, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, aber da geht es dann eher mal um ’ne Schachtel Zigaretten oder eine zuckerfreie Cola einer bestimmten Marke.

Was ist das Besondere Eurer Location?

Zurück zu den Wurzeln Auf unserem Gelände gibt es alte Flugzeughangars. In denen kann man die Musik so laut drehen, wie man will. Ansonsten ist das Gelände sehr naturbelassen. Wir haben viel Wald und Grün.

Tag am Meer Man muss sich schon bewusst machen, dass man bei uns in einer Location mit Geschichte feiert: Am Strand von Prora hat die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ eine fast fünf Kilometer lange Ferienanlage gebaut, jetzt entstehen da Luxuswohnungen.


7. + 8.9.

Lollapalooza

Olympiastadion und -park Berlin,
lollapaloozade.com
70.000 Besucher
Ticket 139 – 169 €
5 Bühnen: Pop, Rock, Rap/Urban, EDM-Elektro
Foto: Christian Hedel


Pop-Kultur Die Kulturbrauerei mag nicht der hipste Ort der Stadt sein, aber für Pop-Kultur ist die Kulturbrauerei infrastrukturell perfekt: Workshopräume für Pop-Kultur-Nachwuchs, Konzertvenues in unterschiedlichen Größen, ein Kino und Theater. Und das Ganze noch mit guter Nahverkehrsanbindung und barrierefrei – bingo!

Alinae Lumr Unsere Location ist die Stadt Storkow, die ist unglaublich pittoresk und auch ein wenig verschlafen. Vorteil ist, dass es eine Infrastruktur gibt und man nicht im Nirgendwo auf dem Feld sitzt. Wenn die Sonne im August knallt, gibt es viele schattenspendende Häuserwände.

Natürlich Irre Das Festival findet auf dem Gelände einer ehemaligen Landesirrenanstalt statt. Ein paar Gebäude dürfen betreten werden. Ein Verein pflegt und betreut das Gelände und die Vereinsmitglieder bieten während des Festivals Führungen an und erzählen etwas zur Geschichte. 


9. – 11.8.

3000 Grad 

17258 Feldberger Seenlandschaft
3000-festival.de,
4.500 Besucher
Ticket 129 €
8 Floors: Downbeat, World Music, Dub, Ethno, Techno, House, Melodic, Ambient, experimentelle Electronica, Singer/Songwriter, Ska 
Foto: Sebastian Vandrey


Off the Radar Unser Gelände ist ein Gutshof, auf dem noch vor ein paar Jahren Landwirtschaft betrieben wurde. Die Floors sind in großen Scheunen, die liebevoll für die Bedürfnisse eines Festivals umgebaut wurden. Es ist wie ein kleines Dorf, in dem sich spätestens am zweiten Tag jeder freundlich grüßt.

Ihr verhandelt ja mit den Behörden. Was diskutiert Ihr da?

Nation of Gondwana In der Auswertung nach einer Veranstaltung und bei der Vorbesprechung sind auch das Ordnungsamt, der Bürgermeister, die Feuerwehr dabei. Vor 20 Jahren hatten wir Notärzte aus unserem Freundeskreis auf der Veranstaltung, jetzt haben wir ein mobiles Krankenhaus da. Der Einsatzleiter vom DRK meint: „Wir machen alles, außer Operationen am offenen Gehirn.“ Nach dem Loveparade-Unglück von Duisburg sind wir mit den Ämtern richtig in Klausur gegangen und haben geguckt, dass uns sowas nicht passieren kann. Wenn was passieren sollte, steht ganz schnell die Frage da: Wer ist dafür verantwortlich? Du stehst letzten Endes immer mit einem Bein im Gefängnis, wenn du sowas machst.


1.6.

PXP 

Parkbühne Wuhlheide
12459 Berlin
pxpfestival.com
20.000 Besucher
Tickets: 39 €
1 Bühne: Hip Hop, Pop, Rock, Elektro
Foto: bergstrvm


Zurück zu den Wurzeln Im Moment entwickelt das Land Brandenburg ein neues Emissionsgesetz und redet dabei auch mit Festivalveranstaltern. Wir sitzen da also mit im Ministerium in Potsdam und können unsere Wünsche in die Verhandlung mit einbringen. 

Gibt es auf Eurem Fest Workshops?

Zurück zu den Wurzeln Verteilt über die vier Tage finden insgesamt über vierzig statt – von Yoga über Häkeln bis zum Kräuterkundekurs. Es geht nicht nur darum, sich einfach vier Tage lang abzuschießen und zu tanzen. Obwohl wir schöne Musik haben, sitzt bei uns auch mal jemand in der Sonne und häkelt – oder liest ein Buch.  

VooV Ja! Uns ist es wichtig, unseren Gästen neben dem Tanzen, das natürlich im Mittelpunkt steht, auch die Möglichkeit zu geben, sich in „ruhigeren“ Aktivitäten kennen zu lernen, ihre Balance zu finden, dazuzulernen, sich auszuprobieren und Spaß zu haben.


9. – 12.8.

Wilde Möhre 

03116 Drebkau
wildemoehrefestival.de
5.000 Besucher
Ticket 115,42 €
5 Bühnen: Hip Hop, Indie, Pop, Ska, Klezmer, Techno, House
Foto: Wilde Möhre


3000 Grad Ja, Workshops sind für uns sehr wichtig! Wir glauben daran, dass ein Festival immer wieder auch ein gesellschaftliches Experiment ist. Ein temporärer Freiraum, in dem die Normen, Routinen und Zwänge des Alltags nicht gültig sind. Ideale Bedingungen, um neue Denkmuster zu stricken – und die wirken wiederum weit über das Ende des Festivals hinaus. Als Rest vom Fest soll etwas hängenbleiben von der Utopie einer besseren Welt, die wir hier zelebrieren. 

Lollapalooza Ja, die gibt es, zu Themen wie Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und so weiter. Wir wollen zeigen, dass es nicht immer nur um die Spaßgesellschaft gehen kann. Im Gegenteil: Man kann aktuelle Themen auch mit Spaß betrachten und angehen.

Nation of Gondwana Nein, wir machen ja eine Tanzparty. Aber wir bauen mit Jugendlichen aus der Region auf. In diesem Jahr werden wir das erste Mal mit denen Workshops machen. DJing und … sagen wir mal so: Man muss da demokratisch ein bisschen aktiv werden in den Regionen, damit der ein oder andere versteht, wie eine pluralistische Gesellschaft funktionieren kann. Man sieht sehr häufig, dass die Menschen dahin tendieren, nach einfachen, populistischen Lösungen zu suchen, und deshalb werden wir Workshops anbieten, die das ein bisschen durchleuchten.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden?

Tag am Meer Die Anwohner haben sich an uns gewöhnt, wir lassen die Bässe ja auch nicht die ganze Nacht wummern. Zur Kurverwaltung Binz pflegen wir ein richtig gutes Verhältnis, die unterstützt uns seit Jahren, zum Beispiel bei der Müllbeseitigung am Strand. Und sie sehen auch, dass wir ein Festival für die Jugendlichen vor Ort sind – und deshalb unterstützenswert.


5. – 8.7.

Antaris

14728 Stölln
antaris-project.de
8.000 Besucher
Ticket VVK 123 €, AK 140 €
3 Floors: diverse elektronische Clubmusik, FullOn/Psychedelic Trance bis Progressive/Forest
Foto: Robert Conrad


Nation of Gondwana Wir sind seit 1999 in Grünefeld. Dieses Jahr haben wir die zwanzigste Veranstaltung da, es bleibt nicht aus, dass man sich da näher kommt. Inzwischen tritt sogar der Grünefelder Kirchenchor bei uns auf. Wir lassen einiges an Spenden in der Gemeinde und haben uns immer darum gekümmert, dass die Aufträge, die wir vergeben, in der Region bleiben. Und dann kommen natürlich noch die ganzen Gäste dazu. Die Hotels, die es gibt, sind über das Wochenende weit- räumig alle ausgebucht, die Getränkehändler und Supermärkte machen da ordentlich Geschäft. 

Was macht Ihr für den Umweltschutz?

Zurück zu den Wurzeln Zunächst erfüllen wir sämtliche Auflagen. Außerdem bekommt jeder Gast einen Taschenaschenbecher. Bei uns gibt es kein Müllpfand, sondern ein Belohnungssystem: Wenn man gut aufgeräumt hat, bekommt man eine Mitgliedskarte, mit der man im nächsten Jahr Rabatt auf sein Ticket erhält. Nach dem Festival ist das ganze Gelände sauber, da liegt keine Kippe mehr.

Nation of Gondwana Letztes Jahr haben wir das erste Mal Mülltrennung gemacht. Alle Mülltüten haben wir aufgemacht und den verfluchten Müll getrennt. Wir benutzen Mehrwegbecher, haben Vogelbrutkästen finanziert und schon mehrfach den See auf dem Gelände nach Müll abtauchen lassen. Wir reinigen das Gelände vor und nach der Veranstaltung und sieben sogar den Strand. Wir sperren Gebiete, die naturschutzrechtlich wichtig sind. Und wir haben Schutzpflanzungen für den Wald machen lassen.


25. – 28.7.

Helene Beach

15236 Frankfurt Oder
helene-beach-festival.de
25.000 Besucher
Ticket 119 €,
7 Floors: Pop, Electro, Hip Hop
Foto: BDX


Tag am Meer Das Gute ist, dass es durch die Nähe zur Jugendherberge schon eine gute Infrastruktur zur Abfallentsorgung und fest installierte Toiletten auf dem Gelände gibt. Außerdem arbeiten wir mit Pfand, es gab auch in der Vergangenheit mal Stände zum Thema Upcycling. Wenn wir am Sonntag den Strand aufräumen, hilft uns zum Glück die Kurverwaltung.

Natürlich Irre Umweltschutz ist am Rand des Müritz Nationalparks und mitten im Trinkwasserschutzgebiet ein Riesenthema. Hier haben wir sehr hohe Auflagen. Wir müssen Vogelbrutzeiten, Uferschutzzonen und die Ausrichtung der Lautsprecher genau beachten. Außerdem hausen in den alten Gemäuern Fledermäuse. Einfach ein Haus beleuchten oder eine Wiese abmähen geht nicht.

Off the Radar Wir haben einen Bienenstock in der Nähe, der uns am Herzen liegt, und arbeiten eng mit dem Besitzer zusammen. Vielleicht gibt es irgendwann ja eine „Off The Radar Honey Edition“. Und wir sind mit der ansässigen Forstwirtin in Kontakt, um das Festival möglichst verträglich zu gestalten. 


25. – 29.7.

Mit Dir 

15848 Friedland
mit-dir-festival.de
1.500-2.000 Besucher
Ticket 99,13 €
mehr als 3 Bühnen: vor allem elektronische Musik
Foto: Tobias König


A Summer’s Tale Der Feststrom vor Ort ist Ökostrom, alle verwendeten Reinigungsmittel sind mit dem Blauen Engel zertifiziert, unsere Crew setzt sich wo immer möglich lieber aufs Rad statt ins Auto, es gibt ein Foodsharing-Programm und eine enge Kooperation mit Viva con Agua und Goldeimer-Komposttoiletten. Indem wir einen kostenfreien Busshuttle vom nächstgelegenen Bahnhof anbieten, wollen wir die Voraussetzung schaffen, dass möglichst viele unserer Besucher mit dem ÖPNV anreisen. Das Thema Nachhaltigkeit findet sich außerdem auch in unserem Vortrags- und Aktiv-Programm wieder.

Aber dass die Tiere aus dem Wald alle ganz furchtbar verstört sind, kann man nicht ändern, oder?

Nation of Gondwana: Die sind nicht so dolle verstört, wie man meinen würde. Während des Abbaus ist da richtig Halligalli. Da sind schon wieder Vögel in den Bäumen und Rehe und Kaninchen auf der Wiese.