Gelehrten-Theater

Felix Krull

Alexander Eisenach bietet am ­Berliner Ensemble kalauerndes ­Diskurs-Squash nach Thomas Mann

Erschöpfte Hasardeure: Sina Martens, Marc Oliver Schulze, Jonathan Kempf, Martin Rentzsch – Foto: JR Berliner Ensemble

Warum spielt Sina Martens in einer der schönsten Szenen dieses BE-Abends eigentlich Squash und nicht – wie in Thomas Manns Roman – Tennis? Zum einen, weil man beim Squash die Bälle nicht direkt zum Partner schnippt, sondern gegen eine Wand haut. Und da lässt sich natürlich schön anspielungsreich witzeln: ­Diese hier unsichtbare Squash-Wand ist die „Vierte Wand“, die Bert Brecht bereits am BE durchstoßen hat. Ein Gag aus der Theater-Umkleide.

Zweitens aber kann man beim Squash natürlich prima allein vor einer Wand herumtun. Und so läuft das Ganze: Während in Thomas Manns „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ unentwegt das virtuose dialogische Miteinander und die hohe Verführungskunst der Konversation gefeiert werden, gibt es in Alexander Eisenachs Bühnenadap­tion vor allem: Auftürmen von Wissenswänden.

Es ist, als krabbelten die Akteure unentwegt auf Bücherregalen umher, um Theater-Theater-Späße, Gelehrtes zu Mann und der Politik nebst Splittern des Romans monolog­haft auszubreiten. Oder halt gegen die Vierte Wand zu dreschen. Ein zusehends ermüdendes Unterfangen. Game, Set, Match Thomas Mann. Und Übungsstunden für Alexander Eisenach, bitte! CHRISTIAN RAKOW

3. + 8.9., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Alexander Eisenach; mit Constanze Becker, Jonathan Kempf, Sina Martens, Martin Rentzsch, Marc Oliver Schulze. Eintritt 11–35 €