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Felix und Felka

Felix Nussbaums und Felka Plateks Exil ist das Thema des neuen Buchs von Hans Joachim Schädlich

Seine Bilder gehören zu den Schätzen der Sammlungen von Berlinischer Galerie und Jüdischem Museum. Felix Nussbaum hat unmittelbar wie kein anderer deutscher Künstler Exil und Lageraufenthalte eines jüdischen Künstlers gemalt. Am bekanntesten ist sein Selbstbildnis mit Hut, „Judenpass“ und gehetztem Blick. Das Selbstporträt oben zeigt ihn im französischen Internierungslager Saint-Cyprien, wo auch der Schriftsteller Abel Paz gefangen war. „ …ich kam auf den Gedanken zu fragen, wo sich denn Toi­letten befänden (…)“, zitiert Hans Joachim Schädlich Paz. „Die Antwort war ein allgemeines Gelächter: Alle drehten sich zum Meer um und zeigten auf den Strand.“ Bald grassierte die Ruhr.

Foto: Juergen Bauer
Hans Joachim Schädlich, Foto: Juergen Bauer

 

Es ist diese uneitle Lakonie, die Schädlichs soeben erschienenes Buch über Nussbaum und dessen Partnerin, die Malerin Felka Platek, auszeichnet. Beide Künstler wurden in Auschwitz ermordert. Schädlichs Collage aus Fakten, Zitaten und Fiktion, vor allem Dialogen, lässt die Dinge und Personen für sich sprechen. So löst der Berliner Schriftsteller mit wenigen Worten beim Leser große Bilder aus: von Lagern und Fluchtzimmern, von der Übernahme des Kunstbetriebs durch Natio­nalsozialisten und dem Status von Künstlerinnen, der Felka im Schatten von Felix bleiben lässt.

 

© Wikimedia Commons/Gemeinfrei
Fellix Nussbaum: „Selbstbildnis im Lager“, 1940. Öl auf Sperrholz, 52,50 x 41,50 cm. © Wikimedia Commons/Gemeinfrei

Hans Joachim Schädlich: Felix und Felka, Rowohlt, Reinbek 2018, 203 S., 19,95 €

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