KINDERMUSIK-FESTIVAL

Bewegende Lieder

Kinderpopmusik jenseits von „Schni-Schna-Schnappi“ oder Nena bringt das ­Festival „Dabba Dabba Du“ im FEZ und dem Atze Musiktheater

Text: Regine Bruckmann

Das Trio 3Berlin um Diane Weigmann mischt auch mit – Foto: Stadtgören Berlin

Inspiriert haben ihn die Erfahrungen mit seiner Tochter: Als Thomas Sutter vor über 30 Jahren begann, Kinderlieder zu schreiben, griff er den Ausspruch seiner Tochter „An Mutters Busen kann ich so schön ­schmusen“ auf und ergänzte sie um: „An Papas Bauch geht das aber auch.“ Und schon war der Refrain eines Kinderliedes geboren.

Heute plant Sutter, inzwischen Chef des Atze Musiktheaters, zum 20-jährigen Jubi­läum des Künstlernetzwerks Kindermusik.de das derzeit größte Kindermusikfestival Deutschlands. Eine Woche lang treten Bands und Liedermacher*innen des Netzwerks auf die Bühnen von FEZ und Atze-Theater. Unter Motti wie „Von Rittern, Marsmenschen und heiteren Hexen“ (30.3., 14 Uhr, FEZ) oder „Andere Länder, andere Lieder“ (31.3., 16 Uhr, FEZ) versammeln sich hier Bands und Einzelmusiker zu thematischen Showcases. Insgesamt gibt es 14 Mitmach-Konzerte, darunter auch „Bewegende Lieder “ (5.4., 10.30 Uhr, Atze). Hier sollen nicht nur die Füße und Hände, sondern auch das Herz und der Verstand zum Mitmachen angeregt werden.

„Es ist mir wichtig, nicht nur einen Hit nach dem anderen zu präsentieren, sondern auch anspruchsvolle Lieder, die anregen und innerlich bewegen“, sagt Sutter und da macht sich bei ihm der Einfluss des emanzipatorischen Kinderliedes bemerkbar, das Volker Ludwigs Grips Theater vor nunmehr 50 Jahren erfand: Das Grips wird übrigens im Juni sein Jubiläum beim Hansaplatzfest auch mit einem eigenen Kindermusikevent feiern, wo die Hausband Millibillies fabelhafte Gripslieder singt und Altmeister Fredrik Vahle seine „Anne Kaffeekanne“ dreimal rum und hoch hinaus fliegen lässt.

Auch jetzt bei „Dabba Dabba Du“ ist mit Rolf Zuckowski ein Kinderliedveteran dabei, der hier erstmals nach längerer Zeit wieder auftritt. Der Duisburger Liedermacher ­Suppi Huhn singt von der „Freiheit“ innerhalb der Demokratie, die Atze Musikband lobt die „Menschenskinder“ und die Rockband Randale plädiert für „1000 Farben bunt“.

Besonderheiten wie ein Ukulele-Konzert (5.4., 10 Uhr, Atze) haben auf dem Festival ebenso ihren Platz wie die Frage, ob und wie man „mit den Händen singen“ kann. Und weil auch unter Kindermusikern die Männer in der Überzahl sind, rocken zum „Dabba Dabba Du“-Abschluss beim „Super-Girl-Konzert“ (6.4., 16 Uhr, Atze) nur Frauen die Bühne, darunter die Singer-Songwriterin Diane Weigmann (Ex-Lemonbabies), die mit ihrem Trio 3Berlin inzwischen auch Kindersongs produziert.

30.3.–6.4., FEZ Berlin, Str. zum FEZ 2, Oberschöneweide; Musiktheater Atze, Luxemburger Str. 20, Wedding, sowie in 20 Berliner Bibliotheken, www.dabbadabbadu.de