MUSIKTHEATER

Fidelio

Zum Beethoven-Jahr singt das aufBruch-Ensemble an authentischem Ort dessen Hymne an die Freiheit

Beethovens Freiheitsoper ist im Knast – Foto: Thomas Aurin

Ganz im Geiste der Französischen Revolution hat Ludwig van Beethoven seine Oper „Fidelio“ komponiert, die von der Überwindung von Tyrannei und Willkür handelt. Der mutigen Leonore gelingt es, als Mann verkleidet, ihren unschuldig eingesperrten Ehemann aus der Haft des Diktators Don Pizarro zu befreien. Das visionäre Werk stellt die immer aktuelle Grundsatzfrage, wie Freiheit durchzusetzen ist.

Deren Abwesenheit spüren Gefangene ja besonders grundsätzlich. Regisseur Peter Atanassow hat mit seinem Gefangenen­ensemble das Werk denn auch ganz grundsätzlich inszeniert und dabei wieder einmal gezeigt, dass er ein Meister der Form ist. In der konzisen Dramaturgie verbildlicht in einem leerstehenden JVA-Trakt jede Szene den Zustand von Eingesperrten – aber ohne jede Wehleidigkeit.

Das Publikum folgt dem Ensemble von ­einem düsteren Zellenflügel zum ­nächsten. Die Spieler, oft chorisch sprechend oder – begleitet von Studierenden der Eisler-Schule – singend, konfrontieren uns mit dem, was Haft, also Freiheitsentzug bedeutet. Der Rapper Resul Tat macht aus Beethovens Fünfter Sinfonie einen wütenden Knast-Rap. Höhepunkt ist zweifellos die nach ­Rudolf Leonards Text „Die Geiseln“ gespielte Szene, in der unschuldig zum Tod verurteilte vor ihren Zellen auf ihre Erschießung warten. Am Ende aber intonieren sie Beethovens „An die Freude“ – die Hoffnung stirbt zuletzt. AXEL SCHALK

4.–6., 11.–13.3.,17.30 Uhr. JVA Tegel, Seidelstr. 39, Tegel. Regie: Peter Atanassow, musikal. Ltg. Simon Rössler. Eintritt 15, erm. 10 €