»Die Filme halten uns Polen den Spiegel vor«

FilmPolska 2015

Katarzyna Wielga-Skolimowska, Direktorin des Polnischen Instituts, über das Festival FilmPolska und Tendenzen im neuen polnischen Film
Interview: Kajsa Philippa Niehusen

Das Filmfestival FilmPolska feiert 2015 mit über 100 Filmen und einem breiten Begleitprogramm sein zehnjähriges Jubiläum. Die Filme zur Retrospektive Agnieszka Hollands hat die polnische Regisseurin selbst ausgewählt. Katarzyna Wielga-Skolimowska, Direktorin des Polnischen Instituts, freut sich auf spannende Kinoabende.

Frau Wielga-Skolimowska, im Festivalprogramm gibt es sowohl zeitgenössisches polnisches Kino als auch Filme aus den 80ern und 90ern. Wie hat sich der polnische Film seither verändert? Die heutigen polnischen Filme zeichnet ihr Sinn für Humor aus. Sie sind wirklich lustig, auch wenn sie ernste Themen ­behandeln. Dabei sind die Filme nicht sarkastisch, sondern liebevoll ironisch in der Darstellung ihrer Charaktere. Außerdem spricht man von der kommunistischen Zeit ganz anders als noch vor zehn Jahren. Man hat die Vergangenheit nach 1989 zunächst sehr kritisch betrachtet. Jetzt kehren die Filmemacher zu den ­Geschichten zurück: Sie erzählen von den Menschen.

Viele der neuen polnischen Filme, wie der Oscarpreisträger und Eröffnungsfilm „Ida“, behandeln die jüdisch-polnische Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg und im Kommunismus. Seit wann sind dies Themen im polnischen Kino? Der Prozess der Aufarbeitung findet seit Anfang der 1990er-Jahre statt; er begann im Theater, ist aber inzwischen auch ­politisch ein Thema. Es findet eine ­gewisse Wiederentdeckung der jüdischen Tradition in Polen statt, die im Kommunismus nicht gegeben war. Eine der wichtigsten gesellschaftlichen Debatten in ­Polen in den letzten Jahren erfolgt auch im Kino: Die Polen haben sich immer als Opfer des Zweiten Weltkriegs empfunden, doch es gab auch zwielichtige Geschichten. Viele zeitgenössische Filme halten uns Polen nun den Spiegel vor.

Welche Filme auf dem Festival darf man auf keinen Fall verpassen? Dazu zählt auf jeden Fall „Ida“ von Paweł Pawlikowski. Mein persönlicher Lieblingsfilm von Agnieszka Holland ist „Olivier, Olivier“, die Bildsprache ist ­unglaublich. Etwas Besonderes ist auch „Warschauer Aufstand“, ein dokumentarischer Spielfilm, der komplett aus nachkoloriertem Archivmaterial zusammengeschnitten wurde.

FilmPolska, 22.-29.4., diverse Kinos, www.filmpolska.de