SCHAUSPIEL

Final Fantasy

Lucia Bihler schaut im 3. Stock der ­Volksbühne aus Alien-Perspektive auf menschliches ­Begehren

Aliens untersuchen das menschliche Sexualverhalten: Maria Walser, Katja Gaudard, Daniel Nerlich – Foto: Katrin Ribbe

Es beginnt mit einem Orgasmus. Rhythmisches Juchzen, gekoppelt an Bewegungen des rechten Mittel­fingers. Stöhnen, gekoppelt an Hebebewegungen des linken Unterarms. Das Alien (Maria Walser) staunt über diese Sensationen: Irgendwas ist dran an dieser Lust. Die Aliens wollen mehr erfahren.

Hausregisseurin Lucia Bihler beamt das Publikum in eine magische Welt fremdartiger Wesen. Gelenke und Körper sind verformt, Stimmen verzerrt. Auf hochhackigen Schuhen, in bleich-glänzenden Ganzkörperanzügen (Kostüme: Leonie Falke) spielen sie langsam und zunächst unbedarft Schlüssel-Szenen aus Oscar Wildes „Salomé“ nach. In diesem entrückten Setting ­kommen Sätze aus dem Stück neu zu Gehör.

Aber Bihlers Theater ist vor allem Bilderthea­ter, Gesamtkunstwerk aus Sound, Bühne und Kostümen. Der bleiche Mond, die bleiche Salome, Blicke und Symbole, mit denen jongliert wird. Hier und da ruckelt es dramaturgisch, will zu viel sagen. Doch es ist meist wunderbar, den traurigen Aliens zuzuschauen. Eigentlich genderneutral geben sie ihre Körper im Spiel als White Board her, steigen ein auf das seltsame Gefühls­chaos ihrer Figuren. In den großen schwarzen Augen des Alien-Ensembles ist Oscar Wildes „Salomé“ nur ein Beispiel für die Merkwürdigkeiten dieser ausgestorbenen Spezies Mensch. Warum nicht mal „Hamlet“ spielen? ANNA OPEL

27.12., 19 Uhr, 28. + 29.12., 18 Uhr, Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Konzept & Regie: Lucia Bihler; mit Katja Gaudard, Simon Mantei, Daniel Nerlich, Teresa Schergaut, Maria Walser. Eintritt 14, erm. 9 €