Künstlerdrama

Final Portrait

Alberto Giacometti und sein kreatives Ringen um ein Bild

ZITTY-Bewertung: 5/6

Wann ist die Arbeit an einem Kunstwerk ­beendet? Wer sich Dokus wie „Le mystère Picasso“ oder „Gerhard Richter Painting“ angesehen hat, weiß, dass die Ansichten des Kunstschaffenden und des Beobachters über diese Frage weit auseinander­gehen können. Denn immer wenn man als Betrach­ter denkt, dass das Bild gerade ­seiner Voll­endung entgegenstrebt, beginnt der Künstler, seinem Werk erneut eine andere Richtung zu geben. Theoretisch ­könnte sich dieser kreative Prozess ewig fortsetzen, insofern erscheint die Fertigstellung des Kunstwerks fast wie ein Willkürakt.

Das schauspielerische Chamäleon Geoffrey Rush als Alberto Giacometti
Foto: Prokino Filmverleih

In einer verzwickten Situation findet sich der amerikanische Kunstkritiker James Lord (Armie Hammer) wieder, als er 1964 die Einladung des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) annimmt, ihm in seinem Pariser Atelier für ein Bild Modell zu sitzen. Ein paar Stunden an einem Nachmittag werde das dauern, hat Giacometti ihm versichert – tatsächlich nehmen die Sitzungen schließlich rund drei Wochen in Anspruch, ehe Lord dem Künstler das zwischenzeitlich immer wieder neu begonnene Bild mit ­sanfter Gewalt abringen kann.

Ist der kreative Prozess also ­eigentlich nie beendet? Geoffrey Rush porträtiert den chaotischen, kettenrauchenden ­Giaco­- metti in Stanley Tuccis Regiearbeit „Final ­Portrait“ als Mann mit zwei Seiten: Der private ­Giacometti ist sympathisch, flamboyant und amüsant, jemand, der gern trinkt und lacht und mit absurdem Witz ­seine Verachtung für das viele Geld zeigt, das er verdient. Als Künstler ist er jedoch stets von Selbstzweifeln geplagt, und der Film, dessen zentrale Szenen im Atelier ­spielen, weiß die Ernsthaftigkeit des künstlerischen ­Ringens durchaus zu verdeut­lichen: Oft gibt die ­Kamera den genauen, durchdringenden Blick des Malers wieder, dem selbst kleinste Veränderungen nicht entgehen.

Den kreativen Prozess, der ja letztlich im Kopf stattfindet, kann auch „Final ­Portrait“ nicht darstellen, doch indem sich Tucci in seinem fast kammerspielartigen Biopic auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben des späten Giacometti beschränkt, erzählt er am Ende mehr und intensiver von den Fallen und Qualen künstlerischer Arbeit als es ein Galopp durch alle Entwicklungsphasen des Künstlers vermocht hätte.

GB 2017, 90 Min., R: Stanley Tucci, D: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Sylvie Testud

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