KIEZGESCHICHTE(N)

Freddy aus Neukölln

„Finding Freddy“ – Ein Theaterwalk auf den Spuren ­eines vor 70 Jahren in die USA ausgewanderten Neuköllners

Reanactment einer Biografie: Alfred Schorn – Foto: Heimathafen Neukölln

Vor zwei Jahren begab sich ein Team des Heimathafen Neukölln um Regisseurin Stefanie Aehnelt im Dokumen­tartheaterprojekt „Aktion N!“ auf die Fährte nach im Dritten Reich deportierten jüdischen Neuköllnern. Gemeinsam mit heutigen Nachbarn, die mitrecherchieren wollten, rekonstruierte man die Schicksale von fünf Neuköllner Familien.

Darunter war auch der heute 92-jährige Alfred Schorn, der seit 1947 in den USA wohnt. Der halbjüdische Deutsch-Amerikaner nennt sich nun Freddy Köhler und blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Aufgewachsen ist er im Norden Neuköllns, im Weserstraßen-Kiez, besucht die Gemeindeschule in Rixdorf, die heute unter dem Namen Rütli-Schule bekannt ist. Mit 19 wird Alfred zur Zwangsarbeit rekrutiert, seine Mutter ins KZ Theresienstadt deportiert, beide überleben die Nazi-Zeit. Nach 1945 wird Schorn ­Polizist – und Spion. Für die Amerikaner spioniert er im russischen Sektor, fliegt auf und flieht in die USA.

Fast 70 Jahre später trifft die Neuköllnerin Katia Berg zufällig in einem Restaurant bei New York auf Freddy, daraus erwuchs die Inspiration zu dem Theater-Spaziergang „Finding Freddy“ auf den Spuren eines Neuköllner Lebens. Regisseurin Aehnelt hat Zeitzeugen aufgetrieben und lässt gemeinsam mit jungen Performerinnen Freddys Neukölln in Geschichten und Schauplätzen wieder lebendig werden. FRIEDHELM TEICKE

14., 22., 28. + 29.10., 17 Uhr, Start: Rollbergstr. 21, Neukölln. Regie: Stefanie Aehnelt. ­Eintritt 16, erm. 10 € (Anmeldung unter freddy@heimathafen-neukoelln.de)

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