Kommentar

Fleisch darf kein Luxusgut sein

Unser Autor findet, dass Fleisch nicht nur den Reichen vorbehalten sein sollte. Das Ergebnis wäre seiner Meinung nämlich: eine Klassengesellschaft wie im Europa des 19. Jahrhunderts.

Völlig klar, Massentierhaltung ist furchtbar,  die Discounter-Hühnchenschenkel für zwei Euro die Packung grotesk, industrielle Landwirtschaft ein Fluch für den Planeten und unter den billigen Fleischpreisen leiden auch noch die Bauern. Ein Teufelskreis. Dennoch kann ich nicht einseitig Fleisch und im gleichen Atemzug noch Flugreisen oder Autos verdammen.

Zwar sind das alles Auswüchse der Konsumgesellschaft und ihre Eindämmung würde voraussichtlich den CO2-Ausstoß verringern und somit den Klimawandel verlangsamen. Doch haben alle Forderungen zur Mäßigung nur bedingt Erfolg, solange sie auf freiwilliger Basis stattfinden sollen. Der Mensch ist bequem und ein Gewohnheitstier, so einfach ändert er sein Verhalten nicht. Das einzige wirksame Mittel, unseren Konsum zu verändern, kann nur mittels Verbote oder über eine Verknappung und damit eine Verteuerung passieren. Dann aber wird Fleisch genauso wie die Flugreise oder das eigene Auto zum Luxusgut für Besserverdiener und die Rettung des Klimas auf dem Rücken jener ausgetragen, die eben keine Fabriken, Jets oder zumindest BMW-SUVs besitzen. Die Reichen werden weiterhin tun und lassen, was sie wollen, und wir kippen langsam in eine Klassengesellschaft zurück, die es in Europa so im 19. Jahrhundert schon mal gab. Als der Norden Berlins im Elend versank und im Grunewald die Großbürger prunkvolle Feste feierten.

Der Klimakampf darf nicht zu einer Aufspaltung der Gesellschaft führen, er darf nicht Privilegien schaffen und ganze Schichten benachteiligen. Die sozialen Folgen solch einer Entwicklung wären unabsehbar, auch wenn es auf der ökologischen Uhr fünf nach Zwölf steht. Die Veränderungen und Anpassungen im Zeichen des Klimawandels müssen daher den
sozialen Aspekt berücksichtigen. Das ist eine Forderung an die Politik, die zwar im kapitalistischen System agiert, aber letztlich dem
Menschen dient.