Kommentar

Fleisch sollte Luxus sein

Unsere Autorin Lydia Brakebusch findet, dass die Aufzucht eines Schweins teuer sein sollte – genauso wie das Endprodukt Fleisch.

Foto: imago images/Geisser

Es gibt kein Menschenrecht auf Cashewkäse. Er ist die einzige vegane Käsealternative, die schmeckt – aber er ist extrem teuer. Anbau und Fermentation von Bio-Cashews sind aufwendig, das hat seinen Preis. So ist das Leben.

Auch die Aufzucht einer Kuh oder eines Schweins sollte verdammt nochmal aufwendig sein. Schweine sind intelligent und sensibel. Sie hören auf ihren Namen, erkennen sich selbst im Spiegel, können Werkzeuge benutzen. Sie sind empfindsame Lebewesen wie Hund und Katze. In der konventionellen Haltung leben sie eingezwängt in stinkendem Halbdunkel und erleben Höllenqualen. Die meisten werden vor der Schlachtung mit CO2 begast: eine Betäubungsform, die für das Tier einem langsamen Erstickungstod gleichkommt. Die Schweine winden sich in Panik unter lautem Geschrei – bevor sie dann erstochen und ins Brühbad geworfen werden. Aber ich will Sie nicht mit dieser alten Leier langweilen. Sie wissen das ja alles längst. Oder nicht?

Das CO2 hat mit anderen Elementen der Massentierhaltung eins gemeinsam: Es ist billig. Denn billig muss das Endprodukt sein, weil noch immer der Irrglaube verbreitet ist, Fleisch sei ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel.

Das ist es nicht. Alles spricht dafür, den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren oder zu beenden: die Ethik, der Klimawandel, die Gesundheit. Die Discounter aber unterbieten sich weiter. Kanzlerin Merkel hat sich gerade gegen staatlich verordnete Mindestpreise für Lebensmittel ausgesprochen und Agrarministerin Klöckner will nach einer Verlängerung von Kükenschreddern und betäubungsloser Ferkelkastration nun den bereits verbotenen Kastenstand für Zuchtsauen wieder legalisieren.

Die Politik versagt, die Wirtschaft lacht über Angebote zu freiwilligen Maßnahmen.

Am Ende muss der Konsument entscheiden, ob er dieses System unterstützt oder boykottiert. Vermögende wie Geringverdiener.
Es gibt kein Menschenrecht auf Billigwurst.