Vorjubiläums-RevuE

Fontane.200

Rainald Grebe: „Jubiläen! Luther 2017, Marx 2018, Fontane 2019, Beethoven 2020. Alles Männer, alle weiß, alle tot“

Rainald Grebe (hinten li.) zieht munter die Fäden in „Fontane.200: Einblicke in die Vorbereitungen des Jubiläums des zweihundertsten Geburtstags Theodor Fontanes im Jahr 2019“ – Foto: Thomas Aurin

Da hatte sich Rainald Grebe mit seinem Brandenburg-Lied erfolgreich über die ­Leere und Dumpfheit im Berlin umgebenden Bundesland lustig gemacht („Da stehen drei Nazis auf ’nem Hügel und finden keinen zum Verprügeln“). Und wurde prompt von Potsdamer Kulturvermarktern angefragt, etwas zum Fontane-Jubiläum beizutragen. 2019 soll der 200. Geburtstag des märkischen Wanderers und Heimatdichters groß gefeiert werden.

Bereits jetzt gibt Grebe „Einblicke in die Vorbereitungen des Jubiläums“ (Untertitel). Viel Brandenburg-Ulk ist darin. In ihren besseren Momenten lässt die Revue immerhin einen Blick auf Fontane als um Achtung ringenden Autor erkennen. In den Ehebriefen etwa verteidigt er seinen Schritt, einen Posten und damit auch behagliche Bürgerlichkeit zugunsten seiner schriftstellerischen Unabhängigkeit aufzugeben.

Munter lässt ­Grebe mit Zinnsoldaten Fontanes Bericht zum „Deutsch-Dänischen Krieg“ nachspielen. Der Stechlin mit allem Wassergetier ergießt sich im Puppenspiel in ein Schloss.

Kabarettistisch scharf die Audioeinspielung eines AfD-Politikers, der nicht nur die Unterstützung seiner Partei zu den Feierlichkeiten zusichert, sondern sogar mit dem Gedanken spielt, die eigene Parteizentrale in ein Theodor-Fontane-Haus umzubenennen. Ein Vorgeschmack auf Kulturkämpfe um Literaturzausel. TOM MUSTROPH

19.–21. + 25.2, 20 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Rainald Grebe; mit Florian Anderer, Damir Avdic, Iris Becher, Axel Wandtke, u.a., Eintritt 7–48 €