Berliner Museen

Fotografierte Ferne

Bestechender Inhalt, dezent inszeniert: 135 Jahre Fotografie reisender Künstler in der Berlinischen Galerie

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts handliche Fotokameras reisetauglich wurden, waren unter den Reisenden auch Künstler und Reporter. Die Welt mit neuen ­Augen zu betrachten, ihr neue Blickwinkel abzugewinnen, das war ihr Anliegen. Die Berlinische Galerie zeigt die Ergebnisse in 17 chronologisch geordneten Positionen mit rund 180 Bildern.

 

© Urheberrechte am Werk erloschen
Unbekannter Fotograf, Japan, 1875-1910

Reisen mit dem Fotoapparat wurden zu Entdeckungsfahrten nicht nur in so unbekannte Gefilde wie die mittleren USA ­(Erich Salomon), sondern immer mehr auch ins Gebiet eines anderen Sehens (Robert Petschows Fliegeraufnahmen), je mehr vom Globus bereits erkundet war.

In der heutigen Geschlossenheit einer allgegenwärtigen Bilderwelt heißt Reisefotografie zunehmend die Auseinandersetzung mit bereits vorhandenen Bildern. Die immergleichen Oberflächen aus den Transiträumen von Flughäfen haben das Exotische ersetzt (Wolfgang Tillmans).

Die Künstler zeigen die Ferne als Chiffre in Form einer Agave (Ulrich Wüst) oder verweisen auf den Sternenhimmel, in dem die prekären griechischen Helden des Alltags von heute nicht mehr eingehen werden (Sven Johne). Eine Schau, die – klug ausgesucht, sortiert und kommentiert – die Augen öffnet.

Bis 11.9.: Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124–128, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 10/ erm. 7, jeden 1. Mo/ Monat 6 €, bis 18 J. frei

Zur Zeit ebenfalls in der Berlinischen Galerie:

John Bock

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