Kino

Foxtrot

In drei Akten erzählt Regisseur ­Samuel Maoz in seiner zu Recht beim Festival von Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten Parabel von den nicht verarbeiteten Traumata, die ein ­erfolgreicher israelischer Architekt als ­Militärkommandant während des Libanonkrieges erworben hat. Als Sinnbild dient dafür der Foxtrot, dessen Grundschritte den Tanzenden stets genau an seinen Anfangspunkt zurückführen: Man kommt einfach nicht voran.

Die Vergangenheit holt Michael Feldman (Lior Ashkenazi) ein, als ihm eines Tages drei vor der Haustür stehende Uniformierte eröffnen, sein Sohn Jonathan sei bei ­einem Militäreinsatz gefallen. Stundenlang geht der fast emotionslos wirkende Mann durch eine Hölle, in der ihn ­andere Leute unentwegt nerven: seine schon leicht demente Mutter mit ihrer Teilnahmslosigkeit, sein Bruder mit seiner Geschäftigkeit, ein Militärrabbiner mit den Details der Beisetzung.

Foto: iora Bejach

Den Schmerz einer traumatischen Erfahrung und den bitteren Humor einer Beinahe-Groteske hält Maoz dabei genau in der Waage. Richtig absurd wird es, als plötzlich die Nachricht kommt, dass alles nur ein Irrtum war, dass ein anderer Jonathan Feldman gestorben ist.

Den zweiten Teil seines Films treibt Maoz weiter in Richtung Groteske und zeigt Jonathan und seine Militärkameraden beim Bewachen eines besonders tristen Checkpoints im Niemandsland einer staubigen Wüste. Hier passiert so wenig, dass die Soldaten an Langeweile fast eingehen. Als Running Gag trabt gelegentlich ein Dromedar die Straße entlang, für das die Posten ab und an ihre Schranke öffnen. Zugleich liegt bei den wenigen Personenkontrollen, die von den Soldaten vorgenommen werden, immer eine greifbare Spannung in der Luft …

Der letzte Teil führt wieder zurück zu ­Michael Feldman, der sich mit seiner Frau einer erneuten unheilvollen Volte stellen muss. Denn Zeit zum Aufatmen gibt es in „Foxtrot“ nicht. Mit untrüglichem Sinn für bittere Pointen wird hier letztlich das Image des erfolgreichen Mannes demontiert, der sich keine Schwächen erlauben darf. Und spätestens dann wird klar, dass die Geschichte auch eine Parabel auf den Staat Israel und dessen Verhältnis zu den Palästinensern und den übrigen arabischen Staaten ist: So kommt man einfach nicht voran.

ISR/CH/D/F 2018, 113 Min., R: Samuel Maoz, D: Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray, Shira Haas, Start: 12.7.

Infos und Termine:

Foxtrot (2018)

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