Die Wahrheit über...

Die Ärzte

Sind Die Ärzte sexy?

Nee! Die sind ja schon älter. Aber es gibt ganz junge Mädchen, die kreischen auf den Konzerten extrem. Ich kann mir vorstellen, dass da manche auf mehr aus sind. Aber mit denen hab ich nichts zu tun.
Maja Grundler, 21, ehemalige zitty-Praktikantin, trägt ein „ä“-Tattoo im Nacken

Sind Die Ärzte gute Kunden?

Anderthalb Ärzte bedienen wir. Bela kommt häufiger, Rod selten, Jan habe ich nur einmal hier gesehen. Bela neigt zum Großeinkauf und er bevorzugt Damen. Er kauft Musik nicht etwa von krawalligen, tätowierten Männern, sondern eher von gut geschminkten, tätowierten Frauen. Lanie Lane, zum Beispiel. Und immer CD, kein Vinyl. Bela ist übrigens auch ein sehr treuer Käufer von anderen deutschen Bands, ein richtiger Unterstützer des lokalen Nachwuchses. Selbst, wenn ihm die Musik gar nicht mal immer gefällt. Ja, Die Ärzte sind sehr gern gesehene Kunden.
Ina Winkels, Plattenladen Mr. Dead & Ms. Free, Schöneberg

Sind Die Ärzte krank?

Da sie sich schon so lange gehalten haben, würde ich ihnen eine gute Gesundheit attestieren. Es gibt speziellen Gehörschutz für Leute, die schon etwas länger im Business sind, damit sie keinen Tinnitus und keinen Hörschaden kriegen. Das würde ich ihnen raten. Und ein Prostata-Screening.
Dr. Ralph Schernberger, Funktionsoberarzt am Waldkrankenhaus Spandau, Abteilung für Orthopädie und Traumatologie

Sind Die Ärzte noch eine Gefahr für die Jugend?

Es gibt noch zwei Alben, die aufgrund des Titels „Geschwisterliebe“ als indizierungsrelevant eingestuft sind: „Die Ärzte“ und „Ab 18“. Da wird Inzest und Missbrauch in der Familie verherrlicht, das ist als Satire nicht klar genug erkennbar. Seitdem gab es keine neuen Anträge zur Prüfung neuerer Stücke. Wenn Die Ärzte „Geschwisterliebe“ auf Konzerten spielten, was sie ja manchmal tun und ihr Publikum singen lassen, wäre das nach wie vor ein Problem. Aber eben nicht unseres, weil wir nicht für Konzerte zuständig sind. Da kann das Jugendamt oder das Ordnungsamt hingehen und so ein Konzert für einen jugendgefährdenden Ort erklären.
Corinna Bochmann, 42, juristische Referentin von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

Sind Die Ärzte gute Gastgeber?

Sehr gute! Als wir 2008 eine Woche mit Die Ärzte tourten, fühlten wir uns sehr willkommen. Wir wurden als Vorband sogar bezahlt. Das sollte natürlich normal sein, ist es aber leider ganz und gar nicht. Farin, Bela und Rod haben uns abwechselnd angesagt, da hat einen das Publikum gleich etwas lieber. In Hannover haben mir deswegen sogar 14.000 Leute „Happy Birthday“ gesungen. Da war ich schon ein bisschen gerührt.
Nagel, Musiker, Autor, Künstler und früher mal bei der Band Muff Potter

Sind Die Ärzte noch Punkrock?

Sie waren Punkrocker, sind Punkrocker und werden immer Punkrocker bleiben. Wenn man einmal Punk war, verliert man das nicht mehr. Die Art, wie sie ihre Alben machen, wie sie sich geben, ihre Konzerte spielen und mit ihren Fans umgehen, das ist alles sehr nett, freundschaftlich und familiär. Das ist total Punk.
Flo Hayler, Ramones-Museum Berlin

Waren Die Ärzte früher besser?

Ich würde nicht sagen, dass sie früher besser waren. Sie waren authentischer. Als ich damals mit den Ärzten auf der Bühne stand, war ich 25, und die Zuschauer zehn Jahre jünger als wir. Diesen Unterschied empfand ich schon als schräg. Nun sind Die Ärzte doppelt so alt wie ihr Publikum. Das ist wirklich schräg, belegt aber auch die Attraktivität der Band.
Hagen Liebing, Ex-Bassist von Die Ärzte und nun „tip“-Musik-Redakteur

Hat der Arzt Bela B. eine schöne Stimme?

Eine entzückende sogar! Als er mit mir auf Lesetour ging, hatte ich keine Ahnung, dass er hier so ein großer Rockstar ist. Für gewöhnlich kommen rund 100 Leute zu meinen Lesungen. In Leipzig waren plötzlich über 500 da, und ich dachte nur: „Boa, in Leipzig bin ich offenbar sehr beliebt!“ Und dann waren sie doch nur wegen Bela da.
John Niven, schottischer Romanautor („Kill Your Friends“)