STAROPERETTE

Frau Luna

Die neue Großproduktion des Tipi am Kanzleramt versammelt mit Zislaweng und Remmidemmi ein glänzend aufgelegtes Starensemble, unterstützt von einem grandiosen Ballett der „Mond­elfen“. Nur die musikalischen Arrangements wirken etwas ranzig

Die Geschwister Pfister führen ein Allstarteam an: Andreja Schneider als Frau Luna, Christoph „Ursli Pfister“ Marti als Witwe Pusebach und Tobias „Toni Pfister“ Bonn als Haushofmeister des Mondes. – Foto: Mehmet Dedeoglu/dedepress
Die Geschwister Pfister führen ein Allstarteam an: Andreja Schneider als Frau Luna, Christoph „Ursli Pfister“ Marti als Witwe Pusebach und Tobias „Toni Pfister“ Bonn als Haushofmeister sowie Pfister-Urmitglied Max Gertsch als Mondreisender (vorne v.l.n.r.). – Foto: Mehmet Dedeoglu/dedepress
ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Nein, allzu ernst sollte man diese Operette nicht nehmen. So durchgeknallt ist die Story um den Berliner Fritz Steppke (Benedikt Eichhorn), der sich mittels seiner Erfindung eines „Stratosphären-Expressballon“ auf die Reise macht zum Mann im Mond – der sich allerdings als Frau herausstellt, eben die titelgebende Frau Luna (Andreja Schneider).

Zur galaktischen Reisegesellschaft gehören seine Freunde Lämmermeier (Thomas Pigor) und Pannecke (Max Gertsch), als unfreiwillige Passagierin dabei ist auch die resolute Zimmerwirtin Pusebach (Christoph „Ursli Pfister“ Marti). Auf dem Mond empfängt sie dann Frau Lunas Hofstaat, angeführt von Haushofmeister Theophil (Tobias „Toni Pfister“ Bonn) und Zofe Stella (Anna Mateur) und auch Mars (Gerd Thumser), Venus (Cora Frost) und Prinz Sternschnuppe (Gustav Peter Wöhler) schauen vorbei.

Natürlich ahnte man, erwartete gar, angesichts der Besetzung mit illustren Kleinkunststars Spektakuläres, ja, eine Art „Weißes Rößl 2.0“, jene heute legendäre Operettenproduktion der Bar jeder Vernunft. Drei Anläufe haben Lutz Deisinger und Holger Klotzbach nach eigenen Angaben gebraucht, um nun endlich zum 150. Geburtstag und 70. Todestag von Paul Lincke dessen Hit-Operette zu produzieren.

Regisseur Bernd Mottl verlässt sich zu recht ganz auf die professionelle Präsenz seines Starensembles.  Und die Spiellust, mit der sich die Protagonisten gutgelaunt in die ­Knallcharge stürzen, wohl wissend, dass man hier eh keine Charaktere sondern nur Typen vorzuführen hat, macht tatsächlich großen Spaß. Als Pfund des Abends erweisen sich dazu das grandios  vielseitige „Mondelfen-Ballett“ und die modernen Choreografien von Christopher ­Tölle.

Dagegen folgen Jo Roloffs musikalische Arrangements der alten Gassenhauer allzu brav einer historischen Aufführungspraxis von 1922. Ganz schlimm wird es bei „Berliner Luft, Luft, Luft“, jenem längst kaputtgespielten Marsch, bei dem das Pub­likum auch noch zum Mitklatschen und -pfeifen animiert wird, als säße man im Sportpalast und wolle gleich, „Links – zwo – drei – vier“, Polen überfallen. Dass es auch anders geht, zeigt Cora Frost, die sich als Frau Venus das Lied „Glühwürmchen-Idyll“ mit rotzigem Frost-Charme ziemlich heutig aneignet und zu einem ­Höhepunkt des Abends macht.

Unterm Strich überzeugt der Abend – um im Jargon dieser Berliner Operette zu bleiben – mit Zislaweng und Remmidemmi, ebend een jehöriches Amüsemang. Schon dufte. FRIEDHELM TEICKE

bis 29.1.2017, Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten. Regie: Bernd Mottl; mit Pigor & Eichhorn, Anna Mateur, Cora Frost, Gustav Peter Woehler, Sharon Brauner, Max Gertsch, Gert Thumser, Ades Zabel sowie Andreja Schneider, Tobias Bonn & Christoph Marti (Die Geschwister Pfister). Eintritt 20-69,50 €