Kino

Free Lunch Society

Dieser Film ist dreist. Kommt harmlos ­daher als Dokumentarfilm, der das weggeschlummerte Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ behandelt. Und wagt es dann, Thesen aufzustellen, mit denen er die Machtverhältnisse unserer Welt torpediert.

Fre Lunch Society
Foto: Michael Bohmeyer © Golden Girls

Wo kommen wir denn hin, wenn, wie in „Free Lunch Society“, faktenkundig und souverän über eine Umverteilung gesellschaftlicher Reichtümer durch ein Grundeinkommen für alle nachgedacht wird? ­Jeder weiß doch: Der Kapitalismus ist und bleibt alternativlos. Wenige besitzen viel, und der Großteil der Menschen hat für die wenigen zu malochen, damit das auch so bleibt! Arbeit und Einkommen zu entkoppeln, das könnte das Ende von Existenz­ängsten bedeuten, aber ohne einen drohenden Arbeitsplatzverlust geht doch jede Kontrolle verloren!

Das zeigt der Film auch mit abschrecken­den Beispielen wie in Namibia, wo schon mal mit bedingungslosem Grundeinkommen experimentiert wurde. Was waren die verheerenden Folgen? Deutlich verbesserte Lebensbedingungen – und die Leute ­haben sich selbstständig ­eigene Arbeits­plätze ­geschaffen! Soll jetzt also etwa das inter­nationale Kapital in ­Afrika ein Grundeinkommen ­finanzieren, wo es doch schon selbstlos und teuer dafür ­bezahlt, die ­Ressourcen dieses Kontinents abzubauen? Das wäre ja so schlimm wie anno 1969 in Alaska, als die Profite des plötz­lichen ­Ölbooms an alle Bewohner verteilt wurden, weil denen angeblich auch dieser Bodenschatz gehören soll.

Da mag dieser Dokumentarfilm noch und nöcher Experten und Zeitzeugen wie Milton Friedman, Richard Nixon und ­Martin Luther King zitieren und ­befragen: Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte die Idee von einer gerechten Welt bedeuten. Soll Regisseur Christian Tod mal schön alleine von dieser besseren Welt ­träumen. Von einer besseren Welt, in der sich Abermillionen von Menschen diesen Film anschauen – und dann eine soziale ­Revolution starten. 

A/D 2016, 95 Min., R: Christian Tod

https://www.zitty.de/event/dokumentarfilm/free-lunch-society-komm-komm-grundeinkommen/