OPERETTE

Frühlingsstürme

Barrie Kosky bringt die letzte Operette der Weimarer Republik sehr vergnüglich zur Wiederaufführung

Pointen, Straußenfedern und Pailetten: Jaromír Weinbergers „Frühlingsstürme“ á la Barrie Kosky – Foto: Iko Freese / drama-berlin.de

Am 30. Januar 1933, während Braunhemden mit Fackelmärschen die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler feiern, ging im Admiralspalast die Uraufführung von Jaromír Weinbergers Operette „Frühlingsstürme“ erfolgreich über die Bühne, mit Startenor Richard Tauber in der Hauptrolle. Zwei Monate später wurde sie abgesetzt, Weinberger war Jude. Die letzte Operette der Weimarer Republik verschwand nachhaltig aus den Spielplänen deutscher Bühnen.

Bis heute. Dank ­Barrie Kosky, der seine erfolgreiche Wiederaufführungen vergessener Operetten der Weimarer Republik jetzt mit Weinbergers Operette glänzend fortsetzt. Und auch Dank Norbert Biermann, der aus dem nur noch fragmentarisch vorhandenen Notenmaterial eine musikalisch sehr überzeugende Rekonstruktion geschaffen hat.

Der etwas wirre Plot um den russischen General Katschalow (Stefan Kurt), der die junge Witwe Lydia Pawlowska (Vera-Lotte Boecker) liebt, die wiederum für Katschalows Diener, den japanischen ­Spion Ito (Tansel Akzeybek) brennt, spielt vor dem Hintergrund des japanisch-russischen Krieges 1904. Koskys tempo­reiche Inszenierung kennt keine Scheu vor Kalauern. Der Spielwitz überträgt sich auf das Stand-Up-Comedy-freudige Ensemble, aus dem besonders Stefan Kurt und Vera-Lotte Boecker in den Hauptrollen hervorstechen. HERMANN-JOSEF FOHSEL

13.2., 19.30 Uhr, 23.2., 18 Uhr, Komische Oper, Behrenstr. 55, Mitte. Regie: Barrie Kosky, musikal. Ltg.: Jordan de Souza; mit Stefan Kurt, Tansel Akzeybek u.a., Eintritt 12–79 €