Berlin

Tipps für Fortgeschrittene

Deutschland erzeugt im Schnitt Emissionen von umgerechnet rund 11,7 Tonnen Treibhausgasen pro Kopf im Jahr. Doch laut Weltklimarat wären nur etwas über 2 Tonnen pro Weltbürger*in verträglich. Also müssen wir die Emissionen überall reduzieren. Das geht nur gemeinsam. Auch wenn sich im Haushalt sicher noch das eine und andere verbessern lässt.

Haushalt

75. Wenn schon Kamin, dann nur einen extrem energieeffizienten, zum Beispiel mit doppelter Brennkammer. Das schränkt auch die Rußentwicklung ein.

76. Vegetarisch oder vegan leben, ohne den Fußabdruck durch Import von Lebensmitteln aus Übersee, für die womöglich Regenwald gefällt wurde, zu vergrößern. Statt Soja aus Brasilien lässt sich beispielsweise Soja vom Bodensee verwenden.

Verkehr/ Mobilität

77. Die Verspätung des BER nutzen: Berliner*innen fliegen immer öfter und mehr. Wie soll das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm BEK 2030 mit einem neuen Großflughafen Wirklichkeit werden? Welche Alternativen zum Flugverkehr entwickeln die zuständigen Senatsverwaltungen ? Was ­sagen die Sprecher der Fraktionen,  was die ­Tourismusverbände? Diskutieren, wo es weh tut, Druck machen. 

78. Beim Güterverkehr können belieferte Kund*innen Druck machen: Er gehört auf die Schiene. Eine Transportkette von Schiff oder Bahn und zu Elektro-Lastern kann möglich sein, die Post probiert es  aus.

79. Brandenburg Kommunalpolitiker*innen ansprechen: Die Brandenburger-Berliner Region braucht einen besseren, barrierefreien öffentlichen Nahverkehr.

80. Engagement in Initia­tiven für eine Fahrradstadt und eine verbrennungsmotorfreie Stadt.

81. Bürger*innen-­Beteiligung bei Verkehrskonzepten wahrnehmen und mitdiskutieren.

Energie

82. Solarstrom auf dem eigenen Dach produzieren: z.B. 4 Megawattstunden/ Jahr auf einem Einfamilienhaus. Balkon-Module für Solarenergie anbringen oder: 

83. Hausbesitzer*innen und Nachbar*innen dafür ­gewinnen, ein Solarpanel zu installieren, falls das auf dem Dach möglich ist, und gegebenenfalls eine höhere Miete bei sinkenden Energiekosten akzeptieren. Die Herausforderung dabei: Das Dach sollte frisch gemacht sein. Sonst muss die Solaranlage bei der nächsten Reparatur ab- und aufgebaut werden.

84. Beratung für Solar­anlagen nutzen: Seit Mai 2019 bietet das senatseförderte Berliner Solarzentrum, auch Beratungen für Mieter, Mietergemeinschaften und Unternehmer an.

85. Ölheizung gegen Wärmepumpen oder Solarthermie tauschen: in Eigenheimen in Eigenregie möglich.

 86. Genossenschaften für Bürgerwind­radanlagen oder Solaranlagen gründen, wie die BürgerEnergie Berlin, die am 27. Juli in der Neuköllner Ossastraße eine neue Mietersolarstromanlage in Betrieb nimmt. Link auf www.zitty.de/klima2019

Illustration: Tobias Meyer

 87. Oder Mitglied ­einer solchen Genossenschaft werden.

88. Bei Debatten über Besteuerung und Einpreisung von CO2 für den sozialen Ausgleich argumentieren. In Frankreich begannen die „Gelbwesten“-Proteste nach einer Benzinpreiserhöhung. 

mehr Infos: www.buerger-energie-berlin.de

Freizeit/ Engagement

89. In Sportvereinen und Fitnessclubs den Energieverbrauch senken und zu einem Ökostromanbieter wechseln: Das ist besonders effektiv in energie­intensiven Sportarten wie Eishockey. Oder in Sportarten mit Hallen, Stadien und Turnierenstätten, die aufwändig gekühlt, geheizt oder beleuchtet werden.

 90. Klimaneutrale Neubauten oder Sanie­rungen von Sportstätten: Lassen Sie sich beraten, ob und zu welchen Bedingungen es Förderung dafür gibt, z.B. über die Kommunen oder Banken. Erste Einblicke gibt www.co2online.de

 91. Anreisen zu Sportturnieren mit dem Zug ermöglichen. 

 92. Das Haustier bilanzieren: Ein Kanarienvogel spart gegenüber dem Fleisch fressenden Dackel laut Museum für Naturkunde 4.991Gramm CO2/ Tag. Bloß: Wer gibt seinen Hund für einen Vogel auf? Aber Pferde, die auf Pellet-Einstreu stehen, sind besser für das  Klima als Pferde mit Boxenstroh.

93. Klimaschutz- Monitoring vor der Haustür: Fort- und Rückschritte des Berliner Klima­schutzes im Blick behalten, damit der Senat seine Klimaschutzziele einhält. Link auf Berliner Klima-Monitoring: https://www.berlin.de/senuvk/klimaschutz/

 94. In Klimaschutzbündnissen aktiv werden. 

 95. Ein dauerhaftes Ehrenamt in Umweltverbänden übernehmen, die zum Thema Klima arbeiten. Informationen über Moda­litäten und Angebote :
www.zitty.de/klima2019
Freiwilligen-Arbeit: z.B.  https://www.berlin.de/buergeraktiv/engagierenoder http://freiwillig.berlin

 96. Ehrenamtliche*r ­Klimaberater*in werden: bei Umweltorganisationen, die das anbieten, ausbilden lassen. 

 97. Mitglied einer­ Partei werden, Klimaschutz-Politik machen – nicht nur in der dafür vordergründig naheliegenden Partei. 

Studium/ Lehre/ Beruf

 98. Chef*in und Kolleg*innen davon überzeugen, die Zahl der Dienstreisen im Flugzeug zu senken und die Bahn nutzen (58). Sind Video-Meetings und Telefonkonferenzen möglich? 

99. Selbst Chef*in? Erstatten Sie ­Mitarbeiter*innen Reisekosten, die bei einer Bahnfahrt entstehen, auch wenn diese höher sein sollten als bei einem Flug (56). Es gibt Beratungen für nachhaltige Geschäftsreisen, beispielsweise beim VCD www.vcd.org.

100. Fortbildungen für ein „umwelt­gerechtes Büro“ oder zu einem „nachhaltigen Internet“ besuchen. Angebote bei Umweltschutzorganisationen und spezialisierten  IT-Firmen. 

101. Drängen Sie darauf, dass der Fuhrpark Ihrer Firma/ Institution ökologisch wird. Beratungen bieten beispielsweise TÜV und VCD an. 

102. Eine klimaneutrale Unternehmensführung: Firmen können sich darauf verpflichten, sich zur Prüfung und Zertifizierung anmelden, etwa beim TÜV Nord.

103. Ein Umweltplan für Firmen oder Institutionen ermöglicht schrittweises Vorgehen, Transparenz für die Mitarbeiter*innen und Erfolgserlebnisse beim Abhaken von Teilzielen.

104. Festivals und Kulturhäuser klima­neutral machen: z.B. mit Wärmerückgewinnung und Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Und mit Bahnunternehmen, die Sonderzüge mit Ökostrom zu Festivals und Großveranstaltungen einsetzen.

105. Mit der Lebenszykluskostenrechnung („Life Cycle Costing“, LCC) lassen sich Produkte auf ihre Wirtschaftlichkeit hin vergleichen. Umweltfreundliche Güter erweisen sich trotz höherer Anschaffungskosten oft als die wirtschaftlichste Variante (Großmutterspruch: Dumm kauft zweimal). Unter anderem beim Umweltbundesamt gibt es dafür ein Schulungsskript.

106. Mit „Life ­Cycle Costing“-Tools lassen sich für viele Produktgruppen neben den Lebens­zykluskosten auch die CO2-Emissionen darstellen. Dabei können auch solche ­berücksichtigt werden, die bei der Herstellung, dem Transport oder der Entsorgung entstehen (so genannte „graue Emissionen“). Infos u.a. beim Öko-Institut.

107. Klimafreundliches Kühlen ist das Thema eines neuen Online-Portals des Umweltbundesamtes. Es wendet sich auch an Ladeninhaber*innen  und  Gastronom*innen und hält Unterstützung für Planer*innen/ Betreiber*innen  von Kälteanlagen bereit.
CO2 neutral Kühlen: https://www.kaeltemittel-info.de

108. Mit Inhaber*innen mittelständischer Unternehmen lassen sich Arbeitskreise, Runde Tische und Salons zum Thema Klimaschutz ins Leben rufen, zu denen Klima-Berater*innen kommen. Gemeinsam lassen sich auch branchenspezifische Benchmarks einführen und Energiemanagementsysteme verbreiten.

109. Ein klima- und umweltrelevantes Studium beginnen z.B.  Biodiversität, Evolution und Ökologie oder Meteorologie an der Freien Universität. Landschaftsplanung an der Technischen Universität. International Forest Ecosystem Management, Öko-Agrarmanagement oder Regionalentwicklung und Naturschutz an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Agrarwissenschaften an der Humboldt Universität, Regenerative Energien an der HTW.

110. Ein Studium oder eine Lehre auf ­Berufsfeldern beginnen, in denen Klimaschutz besonders effektiv ist: z.B. im Tourismus und in der Energiewirtschaft. Oder ein Studium für einen Beruf beginnen, der besonders viel zum Klimaschutz beitragen kann, wie Jura oder  eine der vielen Ingenieurswissenschaften. 

Links, z.B:
https://utopia.de/ratgeber/gruenes-studium-von-a-bis-z-studiengaenge-zur-nachhaltigkeit-universitaeten-hochschulen-ausbildung-studieren/

111. Den Beruf oder die Firma/ Institution wechseln oder ein Berufsfeld grün machen, z.B. Tourismus, Design, Stadtplanung, Was­serwirtschaft. Es gibt Jobbörsen im Internet für grüne Berufe, wie www.Greenjobs.de
und www.Eejobs.de. Und die Climate Savers Computing Initiative. Deutschland will die IT grüner machen. 
Jobs, z.B.: https://www.greenjobs.de/ ;
www.green-in-berlin.de ;
Grüne IT: www.greenit.de

112. Das berufliche Knowhow für den Klimaschutz nutzen: z.B. juristische Kenntnisse, Erfahrung im Gesundheitssektor, wo Hitzestress ein Thema geworden ist, in Schule und Kultur.

Abfall

113. Sich zum/ zur Abfall- u. Energieberater*in fortbilden lassen und engagieren, etwa beim BUND.
https://zero-waste-berlin.de/aktiv-werden

Wohnen/ Stadt

114. Beim Wohnungsbau den Klimaschutz einbringen, z.B. bei Terminen für Bürger*innenbeteiligung. Hilfreich sind die  „Empfehlungen für klimaschonendes Bauen und zukunftssicheren Städtebau“ der Kommission Nachhaltiges Bauen, die beim Umweltbundesamt zu lesen sind. Links zu den Terminen für Bürgerbeteiligung unter
Termine für Bürgerbeteiligungen z.B. unter : www.berlin.de/sen/uvk 
und: www.stadtentwicklungberlin.de

115. Gemeinsinn ­beweisen: Stiftungen und die öffentliche Hand unterstützen Maßnahmen für klimagerechtes Wohnen und Haushalten, teils mit Fördergeldern. Informieren, Abstimmen, vernetzen: mit der Mietergemeinschaft und Hauseigentümer. So lassen sich womöglich Nachbarschaften gemeinsam preiswerter auf grüne Energie umstellen. Wichtig ist, dass alle mitmachen können. 

116. Engagement in Kiezprojekten zu Klimaschutz und -anpassung. Klimakiezprojekte unter: https://berlin21.net/projekte

117. Asphaltierte ­Flächen renaturieren: z.B. in Innenhöfen oder vor Einfamilienhäusern. So kommt wieder Wasser in den Boden, der sich selbstverständlich klimafreundlich mit Pflanzen gestalten lässt.
Berliner Regenwasseragentur:https://www.regenwasseragentur.berlin/

118. Begrünung von Dächern und Fassaden: Die Berliner Regenwasseragentur berät. Förderung gibt es für bestehende Gebäude in der Innenstadt.

119. Das Dach sanieren lassen: damit der Bau einer Solaranlage möglich ist.  

120. Regenwasser-Rückhaltevorrichtungen: Was für ein sperriges Wort! Aber darunter läuft alles von der Regentonne bis zur Großanlage wie am BESSY-Haus in Adlershof. Mit gekoppeltem Regenwasser- und Abwassermanagement sollen Abwasserentsorgung, Gewässerqualität, Stadtklima und Bewässerung von Pflanzen verbessert werden.

121. Andere Häuser planen: Die Beton­produktion gilt als Klima­killer. Statt mit Beton und Glas zu bauen, die die Städte zusätzlich aufheizen, empfehlen Klimaexperten den Bau mit Holz. Holz braucht sorgfältiger Planung und Betreuung: wegen seiner Anfälligkeit für Feuer und Insekten. Wobei zu beachten ist: Mehr Bauten mit Holz können Raubbau am Wald provozieren.

122. Helle Farben für Auffahrten, ­Dächer und Fassaden: Der sogenannte Albedo-Effekt lässt sie weniger Sonnenstrahlung aufnehmen und somit weniger zur Aufheizung beitragen. Schwarze Häuser sind wirklich out.

Gärten/ Wälder / Landwirtschaft

123. Gegen Abholzung von Wäldern und die Versiegelung großer Flächen einschreiten. Im Jahr 2018 wurden täglich in Deutschland rund 660.000 Quadratmeter unbebauten Bodens in bebaute oder anderweitig genutzte Flächen verwandelt. Döch Böden speichern Treibhausgase. Auf 30.000 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung diesen Flächenverbrauch senken. Auch, weil unbebaute Flächen für den Wasserhaushalt und Artenvielfalt erforderlich sind.

124. Böden pflegen und bilden: Alles was natürliche Böden schützt, nützt dem Klima: von der Hecke, die den Wind von den Ackerkrumen abhält, bis zu Kompostbergen. 

125. Mitmachen bei Pflanzaktionen, z.B. wenn aus Nadel­wäldern humusreicher Laubmisch­wald werden soll.

126. Private Wald­besitzer*innen davon überzeugen, dass feuchte Laubmischwälder für das Klima besser sind als Nadelbäume. Zudem sind sie bei Extremwettern widerstandsfähiger. Sie wachsen nur langsamer und oft nicht so maschinengerecht geradeaus empor wie die waldbrandgefährliche Brandenburger Kiefer. 

127. In der Nachbarschaft dafür sorgen, dass nicht Sturmschäden als Gelegenheit genutzt werden, um gesunde Laubbäume zu fällen, einfach, weil Laubkehren lästig ist. 

Dienstleistungen / Finanzen

128. In Genossenschaften und Firmen investieren, die grüne Energie erzeugen.

129. Divestment: Aktien, Renten, Sparguthaben, Lebensversicherungen jenen Banken, Fonds und Unternehmen entziehen, die klimaschädlich und nicht nachhaltig wirtschaften.

130. Über Sustainable Finance lesen, z.B. in den Empfehlungen der technischen Expertengruppe der EU-Kommission zu Taxonomie, Grünen Anleihen und Klima-­Benchmarks. Die Kriterien sollen sicherstellen, dass Geld in Grünen Anleihen tatsächlich umweltfreundliche Veränderungen bewirken. Um sich bewerten zu lassen, können Unternehmen sich akkreditieren, externe Sachverständige sollen die Grünqualität bewerten. Ziel ist es, das Finanz­system in Einklang mit dem Pariser Abkommen zu bringen.
Klima-Benchmarks: https://ec.europa.eu/info/publications/sustainable-finance-technical-expert-group_en

131. Versicherungs­politik ändern:  Statt nach Dürren und Überflutungen den Betroffenen mit Staatsmillionen zu helfen, scheint es  sinnvoller, Haushalte, Firmen, landwirtschaftliche Betriebe Kommunen und Länder gegen Klimarisiken versichern und Anreize zur Vorsorge zu setzen. 

132. Politisches Enga­gement für einen Klimafonds: Das Investitionsprogramm soll den Strukturwandel ermöglichen, den unter anderem der Ausstieg aus der Kohle mit sich bringt.