Berliner Museen

Das weiche ğ

Im Schwulen Museum öffnet die Ausstellung „Queere Formen migrieren‟  Horizonte auf der Achse Istanbul –  ZITTY Berlin

Den Buchstaben ğ fassen die Kuratoren als den queersten im türkischen Alphabet auf – wurde er doch erst 1928 erfunden, als die arabische Schrift unter Atatürk durch das lateinische ABC ersetzt wurde. Er ist kein Konsonant, sondern verlängert Vokale. Unwissende missverstehen das ğ leicht.

Nilbar Güreş: Rose of Sapatão, 2015, oto: Chroma Istanbul
Nilbar Güreş: Rose of Sapatão, 2015, Skulptur, verschiedene Techniken. Foto: Chroma Istanbul

Eine prima Metapher für Queerness, zumal wenn es um türkisch-westliche Grenzgänge geht. Mehtap Baydu (Foto unten) formt vermeintlich Männliches, nämlich Hemden, für ihren Körper um, indem sie aus Schnittstreifen dieser Hemden einen Kokon für sich strickt. Das Video dokumentiert die Transformation als aufwändigen Akt selbstermächtigender Aneignung in einer 17-tägigen Performance in der Documentahalle Kassel 2015. Die Ausstellung zeigt auch ein vor Power strotzendes Gemälde mit dem Porträt von Fatma Souad, die eine der spannendsten Partys Berlins mitgegründet hat: Gayhane im SO36, wo türkisch-arabische Musik statt 4/4-Getaktetem erklingt. Wandtexte mit Hintergrund-Infos wären hier behilflich. Beeindruckend sind die Zeichnungen von Erinc Seymen, der die freibrechende Schmetterkraft von Schmetterlingen neben die von Fetischgerät und anderen Waffen stellt.

Ausstellungsansicht „ğ – the soft g“, Schwules Museum*,
Ausstellungsansicht „ğ – the soft g“, Schwules Museum* Berlin, im Vordergrund Beitrag von Viron Erol Vert, hinten: Massig Gül, Taner Ceylan. Foto: Sven Gutjahr

Übrigens: Wer sich für Queerness jenseits des Westens interessiert, dem sei auch ­Saleem Haddads just diese Woche erschienener Roman „Guapa“ (grandios!) ans Herz gelegt.

Mehtap Baydu: Der Kokon 2015, Video-Performance, © Mehtap Baydu
In 17 Tagen selbst gestrickt verstrickt: Mehtap Baydu: Der Kokon 2015, Video-Performance, 17‘26‘‘, Loop. © Mehtap Baydu

Bis 29.5.: Schwules Museum, Lützowstr. 73, Tiergarten, Mo+Mi+Fr+So 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa 14–19 Uhr, Eintritt 7,50/ erm. 4 €

 

Veranstaltungen

(alle Angaben Schwules Museum):

23. April 2017 – Künstler_innen-Gespräch: Elmgreen & Dragset – 16 Uhr – Schwules Museum* (in Englisch)
Das Künstler-Duo Elmgreen & Dragset unterhält sich mit Aykan Safoğlu über die Istanbuler Biennale und darüber hinaus.

30. April 2017 – Workshop/Lesung: Fucking Germany – 16 Uhr – Schwules Museum* (auf Deutsch)
Mitglieder der Berliner queeren migrantischen Community vermitteln in einem Lese-Workshop Eindrücke aus Cem Yıldızs Buch Fucking Germany – Das letze Tabu oder mein Leben als Escort (Westend Verlag 2003). Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

7. Mai 2017 – Künstler_innen-Gespräch: Ming Wong & Aykan Safoğlu – 16 Uhr – Schwules Museum* (in Englisch)
Die an der Ausstellung ğ – das weiche g – queere Formen migrieren teilnehmenden Künstler_innen Ming Wong und Aykan Safoğlu werden über ihre künstlerischen Praxen und ihre Zusammenarbeit diskutieren.

14. Mai 2017 – Ein Vortrag mit und über Pornografie: Emre Busse – 16 Uhr – Schwules Museum* (18+) (in Englisch)
Emre Busse setzt sich in seinem Vortrag mit deutschen Pornos auseinander, die in der Türkei produziert wurden.

21. Mai 2017 – Workshop: Haarsalon mit Sabuha Salaam – 16 Uhr – Schwules Museum* (auf Deutsch)
Verwöhne deine Haare mit den zarten und queeren Berührungen von Sabuha Salaam.

28. Mai 2017 – Mobile Kino präsentiert: Filmprogramm mit Maria Binder und Ebru Kırancı – 21:30 Uhr – Urban Spree (Revaler Str. 99, 10245 Berlin). Der Film Trans X Istanbul(OmEU) wird unter freiem Himmel in Berlin gezeigt. Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion. (auf Türkisch und Deutsch)

29. Mai 2017 – Finissage – Künstler_innen-Gespräch: Erinç Seymen – 16 Uhr – Schwules Museum* (in Englisch)
Der an der Ausstellung beteiligte Künstler Erinç Seymen gibt in einem Vortrag Einblicke in seine künstlerische Praxis.

Zeit zum Träumen

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