Westbams Club-ABC:

G wie Gymnastik

Das Gymnastik soll in meinem Lexikon der legendären Berliner Clubs für all jene Läden stehen, die irgendwann mal auf- und schnell wieder zu machten und an die sich überhaupt niemand mehr erinnert  – und das völlig zurecht. Dennoch repräsentierten sie in ihrem ständigen Wechsel, ihren kleinen Erfolgen und schnellem Verschwinden die wechselhafte Stadt Berlin und ihr Flimmern auf viel charmantere und charakteristischere Art als die großen Flagschiffe des Nachtlebens. Das Gymnastik war einer der wenigen Versuche, wo auch ich mich als Gastronom betätigt hatte. Es war in jenen Gründertagen um 1992, wo eigentlich jeder einen Technoclub zumindest in Planung hatte.
Ich kannte mich zu diesem Zeitpunkt wirklich noch nicht gut im Osten aus und könnte heute auch nur ungefähr sagen, wo es überhaupt war. Nur, dass wir ein großes G an die Fassade gesprüht hatten und ungefähr sieben Parties mit durchschnittlich 200 Leuten veranstalteten – unter anderem unter dem 92er-Motto „Breakcore“.
Am Ende hat das Gymnastik nix als Geld gekostet.  Als Gastronom sollte man nämlich am Ende des Abends in der Lage sein, auch nachzuzählen, wieviel Fantas verkauft wurden, was nie meine Stärke war. Vielen hiesigen Untergrund-Gastronomen geht es wohl ähnlich.
Jahre später irrte ich von irgeneiner After Hour durch Mitte, und plötzlich stand ich verpeilt vor einer Wand an einem S-Bahn-Bogen. Und da sah ich ein verwittertes „G“ . Hier muss es also gewesen sein, das Gymnastik.

 

Zeitpunkt: 1992
Ort der Location: Nahe S-Bhf Friedrichstraße
Typischer Track: Shut Up and Dance – I’m Ravin, I’m Ravin

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