Doku

Ganz große Oper

ZITTY-Bewertung 1/6

Die Bayerische Staatsoper ist fraglos das wichtigste, glamouröseste, finanziell bestgebutterte Opernhaus in Deutschland. Ein Wahrzeichen und eine kulturelle Sturmfestung, dagegen können nicht einmal die Münchner Kammerspiele anstinken. Das liegt nicht nur an den 45 Werken pro Spielzeit, auf die Intendant Nikolaus Bachler in diesem „Biopic eines Hauses“ stolz verweist. Nirgendwo sonst auf der Welt haben Star-Sänger wie Jonas Kaufmann oder Anja Harteros fast alle großen Rollen erstmals gesungen. Ein Elysium des Opern-Luxus.

Die Puppen tanzen in der Oper
Foto: Roland Wagne KlickFilm

Fragt sich nur: Muss man deswegen die Interviewpartner unbedingt danach aussuchen, dass sie gut aussehen oder über die größte Hausmacht verfügen? Regisseur Toni Schmid führt durch alle Gewerke, vom Malersaal über die Maske bis zur Schuhmacherei und zum Ballettprobenraum, in dem eine gestrenge Direktorin den Elevinnen auf die Beine schaut. Man erfährt, dass der Vorderhaus-Manager Charles Maxwell früher als Countertenor am Haus sang. Und dass sich bei Jonas Kaufmann, so erzählt dieser, kein Regisseur traut, die Locken unter einer Perücke zu verstecken.

Dolle Sache! Eine Außensicht, geschweige ein kritisches Wort kommt dagegen nicht vor. Der Film ist plane Lobhudelei ohne analytische Kraft. Eine blitzblanke Visitenkarte, als stecke das Haus als Geldgeber selbst dahinter. Folgerichtig endet man bei der Auskunft, Musik sei etwas so Schönes, dass es direkt „etwas Höheres“ repräsentiere. Ach nee!

 Ganz große Oper, D 2017, 88 Min., R: Toni Schmid, Start: 1.6.

https://www.zitty.de/event/dokumentarfilm/ganz-grosse-oper-vorhang-auf-fuer-eine-liebeserklaerung/