Biopic

Gaugin

Das Klischee vom unverstandenen Künstler, der allein der Wahrheit seiner Kunst verpflichtet ist, funktioniert am effektivsten mit berühmten Namen. Bei ihnen ist die Ungerechtigkeit deutlich zu greifen: Während ihre Gemälde heute Abermillionen kosten, mussten Künstler wie Vincent van Gogh und  Paul Gauguin zu Lebzeiten tatsächlich Hunger leiden. Letzterer ist nunmehr Protagonist eines Films, der sehr frei von einer ersten Südseereise des Malers erzählt, von der er sich die Ankunft in einem ursprünglichen Paradies erhoffte, in dem sich mit wenig Geld leben und frei arbeiten ließ.

Der Paule mit seiner Tahura
Foto: Studiocanal GmbH

Vincent Cassel verkörpert Gauguin als einen Menschen zwischen euphorischer Schaffenskraft und latenter Depression: Befeuert von der Begegnung mit der jungen Eingeborenen Tahura (in der Realität war sie erst 13 Jahre alt) stürzt er sich in einen Malrausch, der zusehends verebbt, je deutlicher wird, dass der Kolonialismus dem vermeintlichen Paradies längst den Garaus gemacht hat.

Um Kunst geht es in dieser Künstlerbiografie allerdings erstaunlich wenig. Immerhin wird einmal indirekt die Frage aufgeworfen, inwiefern sich Gauguins Südseefantasien eigentlich von den Holzfiguren unterscheidet, die ein junger Eingeborener an weiße Touristen verkauft. Doch Regisseur Edouard Delluc baut den spannenden Gedanken nicht aus, und so bekommt man am Ende das Gefühl, in einer unaufdringlichen und unentschieden wirkenden Inszenierung lediglich dem Scheitern eines Aussteigers zugesehen zu haben. Der zufällig Gauguin heißt und gelegentlich ein paar Bilder malt.

Gauguin – Voyage de Tahiti (OT), F 2016, 102 Min., R: Edouard Deluc, D: Vincent Cassel, Tuheï Adams, Malik Zidi, Pua-Taï Hikutini, Start: 2.11.

Gauguin (2017)

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