DRAMA

Geächtet (Disgraced)

Die uns derzeit bewegenden Themen Identität, Religion und Toleranz in ­einer leider allzu statischen Inszenierung

ZITTY-Bewertung: 2/5
ZITTY-Bewertung: 2/5

Ayad Akhtars mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneter Broadway-Hit ist das Stück der Stunde, geht es vor dem Hintergrund einer liberalen multiethnischen New Yorker ­Upperclass doch um unterschwelligen Rassismus, selbstverleugnende Assi­milation und diffuse Islam-Angst. Kein Wunder, dass es derzeit in vielen Stadtthea­tern inszeniert wird. Aber ein Wunder, dass die Berliner Aufführungsrechte keine der großen Bühnen bekommen hat, sondern eine freie Produktion: Die Santinis Productions, ein Zusammenschluss von Schauspielern.

Doch die Inszenierung stand unter keinem guten Stern. Erst ging Cosma Shiva Hagen als weibliche Hauptrolle flöten, dann musste drei Wochen vor der Premiere auch noch der Regisseur ausgetauscht werden.

Das ist der Inszenierung nun leider auch anzusehen. Vermutlich aus allzu großer Ehrfurcht vor dem Text fehlt ihr jegliche Dynamik – und spielerische Leichtigkeit blitzt auch nur vereinzelt auf. Mitunter wirkt die Inszenierung wie eine auswendig vorgetragene Stücklesung. Dem kurzfristig notgedrungen als Regisseur eingesprungenen Santinis-Produzenten Ivan Vrgoč ist das alles durchaus klar. Er wird wohl auch nach der Premiere weiter an der Inszenierung schrauben. Denn Erfolg ist dem Team bei diesem virulenten Thema durchaus zu wünschen. FRIEDHELM TEICKE

4.–6.2., 10.–13.2., 20 Uhr, So 7.+14.2., 18 Uhr, Theater am Kurfürstendamm 206/209, Wilmersdorf. Regie: Ivan Vrgoč, mit Katja Sallay, Mehdi Moinzadeh, Dela Dabulamanzi, Gunther Gillian. Eintritt 28-39 €