Berlinale 2018 – Forum und Panorama

Gegen das Vergessen

Mit vielen Filmen aus Panorama und Forum werden die Filmemacher zu politischen Aufklärern

Dokumentarfilme, Essays und Spielfilme aus aller Welt kümmern sich im Berlinalejahrgang 2018 um die Aufklärung politischer Verbrechen und die Verarbeitung ­alter Wunden. Warum gerade jetzt? Vielleicht wächst in Zeiten, in denen in der Politik das ­Lügen immer selbstverständlicher wird, auf der anderen Seite auch das Bedürfnis nach Aufklärung und Wahrhaftigkeit.

Künstler schlüpfen in vielen Ländern in die Rolle des politischen Aufklärers und Chronisten, weil es dafür sonst an glaubwürdigen Vertretern fehlt. Das Totschweigen brennender Fragen scheint vielerorts den Rückzug in den Elfenbeinturm nicht zuzulassen. Zentral: die Spaltung der Gesellschaft zwischen dem Wunsch zu vergessen und dem Versuch der Vergangenheitsbewältigung.

Der von Pedro Almodóvar produzierte spanische Dokumentarfilm The ­Silence of Others (Panorama) von Robert Bahar und Almudena Carracedo schildert den Kampf von Opfern der Franco-Diktatur gegen das Amnestie-Gesetz, das viele ­Täter straffrei davonkommen ließ. Im vierstündigen Unas preguntas (One or Two Questions) (Forum) zeigt Kristina Konrad Material, das sie nach dem Ende der Militärdiktatur in Uruguay gedreht hat; Thema auch hier: das Amnestiegesetz und der Widerstand dagegen.

Szene aus dem Panorama-Beitrag „The Silence of Others“
Foto: Almudena Carracedo

Auch in Berlin findet man Spuren ­alter Konflikte: In Den´Pobedy (Victory Day) ­(Forum) filmt Sergei Loznitsa die Menschen­menge, die sich alljährlich am 9. Mai am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park versammelt. Kommunismus-Nostalgie, Kriegsgedenken oder heutiges politisches Statement? Die Motive sind unterschiedlich.

Je vois rouge (I see red People) (Panorama) wiederum erforscht sehr persönlich das Erbe des Kalten Krieges. Regisseurin ­Bojina Panayotova kehrt nach 20 Jahren in ihre ­Heimat Bulgarien zurück und konfrontiert ihre Eltern mit deren mutmaßlicher Akti­vität im Geheimdienst. Der Essayfilm Hotel Jugoslavija (Panorama) untersucht anhand des einst berühmten Hotels in Belgrad die Umwälzungen in Serbien.

Afrique, La Pensée en mouvement Part 1 (Forum) zeigt eine Debatte senegalesischer Intellektueller über den Postkolonialismus und die destruktiven Nachwirkungen der Sklaverei.
Interessant auch der spielerische ­Ansatz von Teatro de guerra (Theatre of War) ­(Forum) von Lola Arias: Britische und argentinische Veteranen des Falklandkrieges ­spielen Erinnerungen nach und entdecken unerwartete Gemeinsamkeiten. 


Alle Filme im Panorama

Alle Filme im Forum

Facebook Kommentare

[fbcomments]