Drama

Genius

Der Berlinale-Wettbewerbsfilm über die Beziehung von Max Perkins und Thomas Wolfe

Ein wenig ungesund wirken die Farben in Michael Grandages Drama. Das mag am Milieu liegen: die Literaturszene New Yorks Ende der 1920er-Jahre. ­„Genius“ ­fixiert sich auf ein Epizentrum, ­dessen ­Artefakte noch heute an Strahlkraft ­besitzen: das Verlagshaus Charles Scribner’s Sons. Hier befindet sich das Büro von Verleger Max Perkins (Colin Firth), der ­bereits den Werken Fitzgeralds und ­Hemingways zur Veröffentlichung verholfen hat. Nun steht ein neuer Schriftsteller vor der Tür, ­dessen 1.000-seitiges Manuskript bisher ein ­jeder dankend abgelehnt hat: Thomas Wolfe (Jude Law).

Genius
Foto: Marc Brenner / Pinewood Films No. 12 Ltd. / Wild Bunch Germany

Perkins erkennt die literarische Originalität Wolfes auf Anhieb und nimmt ihn unter Vertrag. Doch bindet er sich damit auch an einen unreifen Exzentriker. ­Changierend zwischen väterlichen ­Gefühlen und nüchternem Lektorat entwickelt sich eine besondere Beziehung zwischen den beiden ungleichen ­Männern, auf Kosten anderer Charaktere im Film wie etwa Wolfes Geliebter Aline Bernstein (Nicole Kidman). Die Frage, der sich „Genius“ indessen verpflichtet, ist jene nach dem gelungenen Leben, deren Antwort nicht unbedingt mit Ruhm oder Talent zusammenfallen muss. Diese ­Ebene könnte „Genius“ zu einem sehenswerten Film machen, bliebe Grandages Spielfilmdebüt nicht hinter seinen filmischen Möglichkeiten zurück.

USA/GB  2015, 105 Min., R: Michael Grandage, D: Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman, Laura Linney

bewertung-3