Berliner Projekträume

Geographies of Imagination

Eine prominent besetzte Gruppenausstellung im Projektraum Savvy Contemporary thematisiert das „ Othering“

An der knallgelben Wand hängen neun Bilder nebeneinander: Porträts junger Männer, kahlgeschoren, mit weißen, glatt rasierten Gesichtern und schwarzen Hemden – Klischeebilder von Nazis. Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus, dann allerdings lassen sich Unterschiede erkennen. Der eine hat tiefer liegende Augen, der andere einen dünneren Mund. „Estonian Race“ heißt der Beitrag der Künstlerin Tanja Muravskaja, der durch den Direktvergleich der Abklatschbilder nationale Identität als Konstrukt reflektiert und als naives Suchspiel entblößt.

Tanja Muravskajas Fotoserie „Estonian Race“ (hinten) . © Patrik Bablo/ Savvy

Wer sind „wir“, und warum und wie grenzen wir uns von „anderen“ ab? Darum geht es in der Ausstellung „Geographies of Imagination“ im Weddinger Projektraum Savvy Contemporary, kuratiert von der zuletzt in Kairo arbeitenden Antonia Alampi und dem längst von der „Documenta14“ bekannten Bonaventure Ndikung. Die Arbeiten 18 internationaler Künstler, von Oscar Murillo aus Kolumbien bis zu Ibrahim Mahama aus Ghana, spiegeln auch europäischen Alltag: koloniale Denkmäler, rassistische Medienschnipsel und Visionen vom Mittelmeer. Mit geradezu wissenschaftlichem Forschungsdrang reflektieren sie die Sicht ­einer eurozentrischen Gesellschaft auf das „Fremde“. Ein Blick in die leeren Gesichter von Muravskaja zeigt, wie dringend aktuell die Ausstellung ist.

Bis 11.11.: Geographies of Imagination,  Savvy Contemporary, Plantagenstr. 31, Wedding, Do–So 14–19 Uhr, Eintritt frei