URAUFFÜHRUNG

Zwei Diven auf einen Streich

Diva immer besser: 20 Jahre nach ihrem legendären gemeinsamen Programm „Diva gut“ laden Georgette Dee und ­Cora Frost in die „Dee Frost Welt“ ins Tipi am Kanzleramt. Eine nostalgische Neuauflage wird das aber nicht

Stars aus dem Off – nach 20 Jahren wiedervereint: Georgette Dee und Cora Frost – Foto: Sven Ilhenfeld

Text: Gerd Hartmann

Ein Jasmin heischt üppigst blühend nach Aufmerksamkeit, umrankt von Grün stehen ein paar Mülltonnen herum, eine lauschige Ecke mit Plastikstühlen lädt zum Verweilen ein und an der Hauswand lehnt eine ­Matratze. Der Hinterhof im Neuköllner Richardkiez spiegelt die Welten von Cora Frost und Georgette Dee ziemlich perfekt: Hochromantisch mit vielen Brüchen. In einer Remise – natürlich mit Schrägdach – proben die beiden für ihr neues Programm.

„Wir treffen uns nochmal in den Tiefen der Zeit in einem Fluss, in dem wir beide schwimmen, nehmen uns bei der Hand und treiben ein Stück zusammen“, beschreibt Cora Frost die Wiederbegegnung der Seelenverwandten.

Für sie ist es der erste abendfüllende Auftritt als Sängerin seit Langem. Ein paar Konzerte als ihr Alter Ego Peter Frost, das war’s in den letzten Jahren. Ansonsten hat sie „mehr von hinten gearbeitet für die Leute“, wie sie es ausdrückt. Als Performerin und Regisseurin. Mit dem Anarcho-Puppentheater Helmi vom Ballhaus Ost zum Beispiel oder bei ­diversen Tanzthea­tern und, nicht zu vergessen, als hinreißende Venus in der Operette „Frau Luna“ im Tipi.

Als Comeback möchte sie den gemeinsamen Liederabend aber auf keinen Fall verstanden wissen. Sie war ja die ganze Zeit präsent, nur eben nicht in dieser Kabarett-Welt, mit der sie nicht mehr viele Berührungspunkte hat. „Man macht das, was in der Luft liegt. Nur so können Dinge lebendig bleiben“.

„Wir sind die letzten beiden Underground-Diven.“

Im Moment liegt Groove in der Luft. Die von Florian Grupp vertonten Lieder sind fast alle neu und die Texte stammen zum großen Teil von Cora Frost. Aber natürlich wird es auch viel Leises geben. Dafür sorgt schon Georgette Dee, die den Perkussionisten Olaf Taube in die dreiköpfige Begleitband mitbrachte. „Sonst stünde es ja Vier gegen Eins“, erklärt sie lachend. Denn Grupp und der ­Gitarrist Gary Schmalzl kommen eher von der Frost-Seite.

Um einen Diven-Wettbewerb geht es ­allerdings auf gar keinen Fall. Vielmehr wollen sie gemeinsam ein kleines musikalisches Universum schaffen, in dem man umeinander kreist und sich zusammenfügt. Und dabei zum Beispiel die Lieblingslieder der jeweils anderen singt.

Die „Dee Frost Welt“ ist schon eine ganz besondere. Da erzählt Georgette von einem Foto, das Cora ihr schickte, auf dem ein Schaufenster zu sehen war, in dem Hunderte von Globen standen – abgeblätterte, alte, neue. Und Cora erzählt von einem Foto von Georgette aus Hamburg: eine Blume auf der Reeperbahn. So viel krumme Gefühls-Inspirationen. „Wir sind die letzten beiden Underground-Diven“, sagt Georgette Dee. „Wir haben uns immer dem Mainstream verweigert“.

Vielleicht sind das die rau-sanften Schmierstoffe, die diese staunende Begegnung so spannend machen. „Ich liebe Menschen, die nichts mit sich anfangen können – und die anderen auch“ groovt Georgette in einem der Songs. Und vor der Tür duftet der Jasmin.

13.–24.6., Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten. Von und mit Georgette Dee und Cora Frost sowie Florian Grupp, Gary Schmalzl und Olaf Taube als Die Dreamboys. Eintritt 24,50 – 34,50, erm. 12.50 €

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