KESSEL BUNTES

Germania

Die Drehbühne kreist und kreißt bunte Bilder, doch die Heiner-Müller-Collage kommt nicht vom Fleck

Viel Wind: Sebastian Grünewald, Mathis Reinhardt, Sebastian Ryser, Peter Jordan (v.l.n.r.) – Foto: Julian Röder

Das Deutschlandthema ist eine Konstante in Heiner Müllers Werk. Ob der Nibelungen-Mythos, das NS-Regime oder die DDR-Diktatur, Müller hat sich an der deutschen Frage sein Leben lang literarisch abgearbeitet. Naheliegend, zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls ­Texte des Autors gebündelt auf die Bühne zu stellen – darunter Szenen aus „Germania Tod in Berlin“ oder Teile aus „Germania 3“, einem der letzten Dramen des ­Autors

Herausgekommen ist an der Volksbühne allerdings eine nichtssagende, opulente Revue, in der die hochpoetischen Texte des neben Brecht bedeutendsten Dramatikers der DDR untergehen. Die Bühne, auf der sogar ein Orchester spielt und (warum eigentlich?) opernähnliche Arien erklingen, dreht sich hochtourig. Immerhin ein Bild, das den von Müller diagnostizierten, sinnlos-aberwitzigen Kreislauf unserer Geschichte andeutet.

Aber sonst wird dem Theateraffen überreichlich Zucker verabreicht: Stalin und Hitler spielen Karten, die streikenden Bauarbeiter des 17. Juni debattieren, Friedrich II. tritt auf, Zombiewesen in aufgeplusterten grünen Kostümen tauchen auf, Puppenspielsequenzen finden statt. Das alles wird mit Live-Videotechnik noch spektakulärer hochgedreht.

Ärgerlich gedehnte drei Theaterstunden, die bestenfalls für Heiner-Müller-Spezialisten nachvollziehbar sind, aber auch die eher verärgern. AXEL SCHALK

10.11., 18 Uhr, 16.11., 19 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Regie: Claudia Bauer; mit Katja Gaudard, Amal Keller, Paula Kober u.a., Eintritt 30–10, erm. 9 €