Schocker

Ghostland

Die Fahrt war ermüdend lang – weshalb Colleen die spöttische Bemerkung einer ihrer beiden Teenietöchter geflissentlich überhört, dass sich das neue Familiendomizil mit all dem Krimskrams und den vielen schrillen Puppen als Kulisse für Rob Zombies Kinoschocker „Haus der 1.000 Leichen“ perfekt eignen dürfte.

So leicht, findet Colleen, wird man ihr das von der kürzlich verstorbenen Tante geerbte Haus nicht madig machen können. Doch Eingewöhnungszeit ist der alleinerziehenden Mutter mit ihren Töchtern Beth und Vera nicht vergönnt. Noch in der ersten Nacht im Einödhaus dringen zwei finstere Gestalten ins Haus ein – und obwohl Gruselgeschichten-Fan Beth längst mit eigenen Schreibversuchen zugange ist, verschafft ihr das Wissen um die Mechanismen im auf Touren kommenden Katz-und-Maus-Spiel mit den Eindringlingen kaum Vorteile.

Ghostland
Foto: Capelight Pictures

Derweil dämmert es einem, dass Erwartungshaltungen in „Ghostland“ nur aufgebaut werden, um sie zu unterlaufen. Nichts sollte für bare Münze genommen werden – auch nicht jene 16 Jahre später an diese Albtraumnacht anknüpfenden Ereignisse, die uns zu erzählen scheinen, dass die flügge gewordene Bestsellerautorin Beth zur nach wie vor traumatisierten Schwester Vera und zu Mom heimkehrt, um erneut eine nächtliche Achterbahnfahrt des Grauen durchleben zu müssen.

Regiehandwerker Pascal Laugier („Martyrs“) liebt es, Genre-Versatzstücke zu zitieren. Mitunter arg plakativ spielt er mit verdrängten Traumata, Wahn, Psychoterror. Und macht sich einen Spaß daraus, seine Hauptdarstellerinnen entsetzlich offenherzig misshandeln zu lassen – bis zum bitteren Erwachen im Finale. Ein verstörender Schocker, für zartbesaitete Kinogänger definitiv ungenießbar.

Incident in a Ghost Land (OT) F/ CAN 2018, 91 Min., R: Pascal Laugier, D: Crystal Reed, Anastasia Phillips, Mylène Farmer, Start: 5.4.

Ghostland (2018)

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