Stones-und-Stoned-Theater

Glaube Liebe Hoffnung

Zwiespältige Rock’n’Roll-Séance nach Ödön von Horváth

„Pöppel Rain“: Linda Pöppel (re.) als Elisabeth mit Frank Büttner und Julia Boxheimer – Foto: Arno Declair

Düster, düster: Die Kammerspiele sehen aus, als habe man am Set eines Tim-­Burton-Films gewildert. Eine Litfaßsäule steht herum, mit „Körper-Welten“-Plakat; ­Möbel von Oma, Engel geistern umher, eine echte Schlange gibt’s. Wir sind bei Jürgen Kruse, dem Rock’n’Roll-Altmeister der ­Theaterregie, mit Hang zur Voodoo-Lounge-Ästhetik.

Kruse erzählt eigentlich immer Mythen vom Dachboden, egal mit welchen Stücken. Dieses Mal mit Ödön von Horváths trauriger Geschichte des Mädchens Elisa­beth, das arbeitslos durch die 1930er taumelt, Geld borgt, fälschlich angezeigt und inhaftiert wird, bald einen feschen Polizisten findet. Kurz winkt Eheglück. Aber Elisabeth wird verraten, der Polizist verlässt sie für seine Karriere.

Linda Pöppel, obgleich jung, ist eine Vete­ranin des Kruse-Theaters und hat an sich den richtigen Groove für die notorischen Fehlbetonungen und Kalauer. „Pöppel Rain“, wie es heißt. Ihr zur Seite steht in Manuel Harder ein Polizist, der eindrücklich entrückt posiert und auf seiner Klampfe dilettiert. Doch etwas hakt. Anders als beim „Missverständnis“ vor zwei Jahren am DT spielt sich das Duo nur selten in Stimmung. Der Abend wirkt benebelt, kriecht bei der Premiere weit über die angesagten zwei Stunden hinaus. Eher ­Depri-Session als guter Blues. CHRISTIAN RAKOW

17.11., 19.30 Uhr, 26.11., 20 Uhr, Kammerspiele des DT, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Jürgen Kruse; mit Linda Pöppel, Manuel Harder, Caner Sunar u.a., Eintritt 23–30, erm. 9 €