POLLESCH-REVUE

Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt

René Pollesch schillert sehr cool mit Fabian Hinrichs im Revuetheater

Fabian Hinrichs mit Showtänzer*innen – Foto: William Minke

Dass diese Produktion anders ist als gewöhnlich im Friedrichstadt-Palast, dürfte selbst Stammbesuchern des Revue­theaters auffallen, denen der Name René Pollesch nichts sagt. Statt elysischen Ein-Wort-Titeln wie sonst („Yma“, „Qui“ oder „Vivid“) ist das sperrige „Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt“ schon ein Stolperstein. Auch Co-Regisseur und Protagonist ­Fabian Hinrichs stolpert oder besser humpelt (ein Probenunfall) über die 38 mal 37 Meter große Showbühne, deren physische Tiefe er wortspielend-kokettierend mit gedanklicher Tiefe kontrastiert.

Denn inhalt­lich geht es selbstverständlich ums Elementare. Ein bisschen erinnert der Abend an ihr legendäres Volksbühnenstück „Kill your darlings“, nur mit Showtänzern statt Turnern.

Hinrichs erzählt von Kindheitstraumata, bei denen ein Stallhase und ein rabiater Vater eine Rolle spielen, vom „Verblendungszusammenhang“ des Kapitalismus, wie oft bei Pollesch/Hinrichs, es geht um den einsamen Einzelnen, den Verlassenen, den Fremdkörper im Kollektiv. „Was mache ich hier eigentlich?“, fragt sich Hinrichs im goldenen Glitzer-Trikot auf der Showbühne, und versucht trotzdem mit den 27 Profitänzer*innen, auch in der berühmten Chorusline, mitzuhalten. Schon sehr cool das Ganze.FRIEDHELM TEICKE

23.10., 6.+27.11., 11.12+15.1., 20 Uhr, Friedrichstadt-Palast, Friedrichstr. 107, Mitte Regie: René Pollesch, Fabian Hinrichs; mit Fabian Hinrichs u.a., Eintritt 12–36 €